Mittwoch, 27. Mai 2020

Euro-Krise Peking rechnet Grexit durch

Dunkle Wolken über der Akropolis: China bereitet sich auf einen Grexit vor

China trifft Vorbereitungen für den Fall eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone. Die Regierung in Peking lässt Pläne entwerfen, um Yuan und heimische Wirtschaft im Notfall stabilisieren zu können.

Peking - China bereitet sich Kreisen zufolge auf einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone vor. "Die Regierung hat jedes Ministerium aufgefordert, Maßnahmen für den Fall eines Abschieds von Griechenland von der Währungsunion zu analysieren und so schnell wie möglich eigene Vorschläge zu präsentieren", sagte eine mit den Plänen vertraute Person. "Es ist sehr dringend."

Die Regierung habe staatliche Behörden wie die Zentralbank, die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission sowie die Bankenaufsicht angewiesen, Notfallpläne zu erörtern. Mehreren Personen zufolge sollen beispielsweise Schritte vorbereitet werden, um die heimische Währung Yuan stabil zu halten. Denkbar sei auch, einen stärkere Kontrolle des grenzübergreifenden Kapitalverkehrs. Auch soll eine Strategie erörtert werden, wie die heimische Wirtschaft gestärkt und vor möglichen Turbulenzen geschützt werden könne.

China will Reformen sehen

Angesichts der politischen Wirren in Athen kursieren längst auch in der Euro-Zone Planspiele für eine Zukunft ohne Griechenland. Regierungen und Unternehmen befassen sich ernsthaft mit den Folgen für die Währungsunion. Eine Arbeitsgruppe der Euro-Länder forderte die Regierungen auf, nationale Notfallpläne für diesen Fall auszuarbeiten, hieß es vor wenigen Tagen in Brüssel. Auch Unternehmen treffen Vorkehrungen. Der Handelskonzern Metro spielt angesichts Szenarien eines Scheiterns der Gemeinschaftswährung durch.

China bekräftigte gleichzeitig seine Unterstützung für die Euro-Zone im Kampf gegen die Schuldenkrise. Auch künftig werde in Staatsanleihen und andere Vermögensanlagen der Währungsunion investiert, kündigte Zentralbank-Chef Zhou Xiaochuan in der Zeitung "Chinese Business News" (Montagausgabe) an.

Auch werde China weiter das Engagement des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie Investitionen in Infrastruktur-Projekte und Privatisierungsprogramme unterstützen. "Voraussetzung ist sicherlich, dass wir in diesen Ländern Reformen sehen, und dass sich diese Investitionen auszahlen", sagte Zhou.

ts/rtr

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