Donnerstag, 22. August 2019

Projektanleihen Ein Bond für alle Fälle

Hochgeschwindigkeitszüge in London: Allein für die transeuropäischen Bahnnetze fehlen laut EU 500 Milliarden Euro

3. Teil: Bauindustrie findet sich "genauso systemrelevant wie die Banken"

"In Nordamerika gibt es einen voll funktionsfähigen Markt für Projektanleihen", bemerken die Analysten von Fitch. So konnte der Baukonzern Hochtief am Freitag einen Milliardendeal für den Autobahnring im kanadischen Edmonton bekanntgeben, der über eine Anleihe mit der Bonitätsnote A- finanziert wird. Als Erfolgsfaktoren nennt die Ratingagentur Steueranreize, das große Spektrum an Anleiheninvestoren und auf der Gegenseite fehlenden Appetit der amerikanischen Banken, Infrastrukturprojekte mit ihrem langen Zeithorizont und großen Baurisiken per Kredit zu finanzieren, wie es in Europa noch verbreitet ist.

Die Grundidee der EU-Projektanleihen findet in Fachkreisen große Unterstützung, hat eine Umfrage von Freshfields ergeben. Neun von zehn Experten seien dafür, darunter alle Vertreter von Infrastrukturfonds. "Die Initiative könnte eine Schlüsselrolle spielen, um Kapital in baureife Infrastrukturprojekte zu lenken", resümiert die Kanzlei. Im Detail gebe es aber noch "mehr Fragen als Antworten".

Das hat auch die offizielle Konsultation der EU-Kommission ergeben, an der sich aber nur wenige deutsche Firmen beteiligten. Der Energieversorger EnBW merkte an, günstigere Fremdkapitalzinsen würden für Investitionen in die deutschen Strom- und Gasnetze, wo die Rendite der Betreiber reguliert wird, wenig nützen. Offshore-Windanlagen dagegen könne die Initiative voranbringen. Die Dekabank forderte eine Fertigstellungsgarantie für die Investoren während der Bauphase. Der Verband der Europäischen Bauwirtschaft warnte davor, öffentliche Investitionen zugunsten der Projektbonds zu kürzen. Die Branche sei "genauso systemrelevant wie die Banken". Am meisten Bedenken gab es wegen der Kontrollfunktion der EIB und möglichen Interessenkonflikten mit den privaten Gläubigern, falls ein Projekt pleite geht.

All diese Fragen stehen vor dem Start der Pilotphase an. Und erst wenn die sich als erfolgreich erweist, will die Bundesregierung Projektanleihen als Dauerregelung zustimmen, die nach dem Willen der Kommission bis 2020 bis zu 20 Milliarden Euro jährlich mobilisieren sollen. Am kommenden Donnerstag soll der Haushaltsausschuss des Europaparlaments die Initiative formell beschließen, das Plenum und ein Gipfel der Staatschefs folgen im Juni und Juli. Dann könnte es mit ersten Bonds losgehen.

Die dänische Regierung als EU-Ratsvorsitz erklärte, vier bis zehn profitable Projekte würden für die Pilotphase erwartet, deren Finanzierung die Krise bisher verhindere. Auf Anfrage von manager magazin online wusste die EU-Kommission aber noch keine konkreten Interessenten zu benennen.

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