Montag, 17. Juni 2019

Projektanleihen Ein Bond für alle Fälle

Hochgeschwindigkeitszüge in London: Allein für die transeuropäischen Bahnnetze fehlen laut EU 500 Milliarden Euro

2. Teil: Privates Kapital soll das eingesetzte Staatsgeld verzwanzigfachen

Dagegen nehmen sich die für die Pilotphase der Projektbonds aus dem EU-Budget bereitgestellten 230 Millionen Euro bescheiden aus. Notwendig seien nicht Millionen, sondern Milliardenbeträge, kritisierte der belgische Ex-Premier Guy Verhofstadt, der die liberale Fraktion im Europaparlament führt. Die EIB verspricht immerhin, das eingesetzte Staatsgeld mit privatem Kapital bis zu 20-fach zu hebeln. So kämen in der Pilotphase 4,6 Milliarden Euro zusammen. Sie selbst soll nach dem Konzept, mit den EU-Mitteln als Garantie, für die riskanten Tranchen privat initiierter Projektanleihen geradestehen. Das würde das Ausfallrisiko für die Geldgeber minimieren und so einer bestehenden Nachfrage entgegenkommen.

"Bestimmte institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherer suchen nach langfristigen Anleihen mit Bezug zu Realwerten", erklärt Gerassimos Thomas, Finanzdirektor der EU-Kommission. So würden Projektanleihen in zweifacher Weise der Zukunft der Europäer nützen: als Stütze der Konjunktur und als sinnvolles Investment, um die Altersvorsorge abzusichern.

Das Problem: Diese Investorengruppen sind per Gesetz oder Anlagerichtlinien verpflichtet, nur besonders sichere Wertpapiere zu kaufen. Bestehende Infrastrukturanleihen bekommen von den Ratingagenturen für ihre Bonität aber meist nur B-Noten. Standard & Poor's verweist auch auf Zahlungsprobleme öffentlicher Geldgeber, beispielsweise für eine Autobahn in der spanischen Region La Mancha oder ein Krankenhausprojekt in Birmingham. Wegen der Staatsschuldenkrise habe S & P zwar noch keinen Projektbond herabgestuft, "aber hauptsächlich, weil wir in den unter schwerem Stress stehenden Staaten keine relevanten Ratings haben".

Als Konjunkturprogramm für die Krisenländer wären solche Anleihen also kaum geeignet. "In einigen dieser Länder gibt es nur sehr wenige neue Projekte", berichtet Marguerite-Partner Michael Dedieu. Der EIB-gestützte Fonds habe sich beispielsweise für einen Flughafenbau auf Kreta interessiert, der aber abgesagt wurde. An einer irischen Autobahn könne man sich aber noch beteiligen, nachdem der zunächst ausgewählte Baukonzern abgesprungen ist.

Im vergangenen Jahrzehnt lösten die Monoliner genannten US-Anleihenversicherer das Bonitätsproblem, indem sie die Bonds zu 100 Prozent garantierten und so ihre eigenen AAA-Noten weiterverliehen, unabhängig von Emittenten und Details der betroffenen Projekte. Nach EU-Angaben wurden rund 100 Milliarden Euro über Anleihen in europäische Infrastruktur investiert. Nachdem sich die Monoliner aber auf dem Immobilienmarkt verzockten, ist dieses Geschäftsmodell hinfällig. "Dieser Markt hat praktisch aufgehört zu existieren", bedauert EU-Funktionär Thomas.

Eine vollständige Garantie und damit ein AAA-Rating ist bei den neuen Projektanleihen ausgeschlossen. Mindestens die Note "A" soll aber drin sein, um Investoren anzulocken. Ob dieses erklärte Ziel zu erreichen ist, lassen die Ratingagenturen offen. Zu viele Details seien noch unklar.

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