Freitag, 21. Februar 2020

Wohlstandshoffnung Boliviens Traum von der Lithium-Weltmacht

Reich durch Lithium: Boliviens Schatz im Silbersee
Camilla Landbø

Im Süden Boliviens schlummert das größte Lithiumvorkommen der Welt. Das südamerikanische Land setzt große Hoffnungen in die Förderung dieses wertvollen Rohstoffs - und träumt von der eigenen Lithiumbatteriefertigung. Ein Augenschein vor Ort.

La Paz - In Bolivien ist Regenzeit. Bedächtig fährt der Jeep vom Festland auf die von einem Wasserfilm überdeckte Kruste des Salzsees. Je weiter der Geländewagen in die unbewohnte Landschaft eindringt, umso mehr verliert man die Orientierung, das Gefühl von einer Grenze, von oben und unten. Alles spiegelt sich auf der Oberfläche: die Wolken, das Blau des Himmels, die Salzhäufchen, die sich hier und dort türmen.

Man taucht in eine andere phantastische Welt ein, gemalt aus Farben und Mustern. Stille. Vielleicht von Zeit zu Zeit ein Sausen und Pfeifen des Windes oder ein paar Laute von vorbeifliegenden Flamingos. Eine Naturpracht: der Salar de Uyuni im Süden Boliviens, der größte Salzsee der Welt.

Zahlreiche Touristen besuchen täglich den über 12.000 Quadratkilometer weiten Salar. Am Ostufer rollen sie in Jeeps auf die weiße, kristalline Kruste, die gegen Mitte des Sees viele Meter dick wird.

Wenn auch der Salar de Uyuni auf rund 3700 Meter über den Meeresspiegel eine der Touristenattraktionen schlechthin ist, hat er für Bolivien unterdessen eine weitere, wichtigere Bedeutung bekommen. Hier unter der Salzkruste liegt der Schatz des Landes vergraben, mit welchem der arme Andenstaat reich werden will: Lithium. Bolivien besitzt das größte Lithiumvorkommen weltweit. Nach letzten Bohrungen spricht man regierungsintern von 100 Millionen Tonnen.

Die Hoffnung Boliviens

Lithium? Kurz: Ohne das silbrig glänzende Leichtmetall ist das gegenwärtige Leben kaum noch denkbar. Aus Lithium werden zum Beispiel besondere Batterien hergestellt. Mit dieser leistungsstarken Energiespeichern funktionieren Computer und Mobiltelefone. Die Pharmaindustrie verwendet Lithium in Antidepressiva.

Szenenwechsel, am Südufer des Salars. Es ist eine Fahrt durch eine einsame und karge Gegend. Die Strecke trocken und staubig, an den Stellen, wo kein Regen gefallen ist. Ansonsten matschig und glitschig. Auf dieser Höhe in den Anden gibt es keine Bäume, die Erde ist braun, grau, manchmal kraftvoll rot. Weite.

Nach fast anderthalb Stunden biegt der Geländewagen auf Staatsareal ein. Eines der Schilder verbietet das Fotografieren. Schließlich tauchen aus dem Nichts mehrere moderne Gebäudekomplexe auf. Es sind die Wohneinheiten und Labors des "Proyecto Litio" - Lithiumprojekt. Hier in Llipi befindet sich die Hoffnung Boliviens in den Händen von jungen Wissenschaftlern und Technikern. Es wird aufgebaut, geforscht und entwickelt. Im Juni - spätestens im September - soll die Produktion von Lithiumkarbonat für den internationalen Markt definitiv losgehen, heißt es.

Boliviens Präsident Evo Morales deklarierte 2007 Lithium als "nationalen Rohstoff" und räumte der Förderung höchste Priorität ein. 2008 rief er das Lithiumprojekt ins Leben, um den Rohstoff zu industrialisieren. Das Projekt wird vom Staat mit über 800 Millionen Dollar finanziert. Seither zieht die staatliche Bergbaugesellschaft Comibol eine Pilotanlage in Llipi hoch. Wegen klimatischer Bedingungen - unter anderem - kommt der Aufbau allerdings nur zögerlich voran.

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