Camp David Putin verprellt USA mit G8-Absage

Keine drei Tage im Amt, schon sorgt Russlands Präsident für einen diplomatischen Eklat: Putin hat seine Teilnahme am G8-Treffen in den USA abgesagt. Die Regierungsbildung in Moskau ist ihm wichtiger.
Russlands alter und neuer Präsident Putin: In einem Telefongespräch mit US-Präsident Obama teilte Putin mit, dass Medwedew an seiner Stelle zum G8-Treffen kommen wird

Russlands alter und neuer Präsident Putin: In einem Telefongespräch mit US-Präsident Obama teilte Putin mit, dass Medwedew an seiner Stelle zum G8-Treffen kommen wird

Foto: Alexei Nikolsky/ AP

Washington - Er bedauere es, dass er wegen seiner Verpflichtungen im Zuge der Regierungsbildung in Moskau nicht zu dem Treffen in Camp David kommen könne, sagte der russische Präsident Wladimir Putin nach Angaben des Weißen Hauses in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama.

Obama habe Verständnis für Putins Entscheidung geäußert und begrüße es, dass Regierungschef Dmitri Medwedew am Gipfel teilnehme, hieß es weiter. Die beiden Staatschefs hätten vereinbart, sich am Rande des G20-Gipfels zu treffen, der am 18. und 19. Juni im mexikanischen Los Cabos stattfindet.

Der Kreml hat die Mitteilung bestätigt. Statt Putin werde Regierungschef Dmitri Medwedew zu dem Treffen am 18. und 19. Mai reisen, teilte das Presseamt des Staatsoberhaupts mit. Putins Absage habe aber nichts zu tun mit der wiederholten Kritik der USA an der Menschenrechtssituation in Russland, betonte der Kremlfunktionär Arkadi Dworkowitsch. "Das sind wirklich lächerliche Vermutungen. Putin fürchtet sich nicht vor scharfen Fragen", sagte Dworkowitsch dem Radiosender Echo Moskwy.

Gipfel wurde wegen Putin ins Camp David verlegt

Russische Medien hatten wiederholt über ein gespanntes persönliches Verhältnis zwischen Putin und US-Präsident Barack Obama berichtet. Moskau lehnt zudem die geplante US-Raketenabwehr in Europa strikt ab und droht mit massiven militärischen Gegenmaßnahmen.

Putins erste Auslandsreise nach dem Amtsantritt führt damit möglicherweise nach China. Nach Angaben des Außenministeriums in Moskau ist ein Besuch des Kremlchefs in Peking für Juni bereits fest vereinbart. Russland und China pflegen vor allem im Energiebereich enge Beziehungen.

Die USA hatten den G-8-Gipfel unter anderem aus Rücksicht auf Putin vom eigentlich geplanten Veranstaltungsort in Chicago nach Camp David bei Washington verlegt. Putin war am Montag für eine dritte Amtszeit als russischer Präsident vereidigt worden. Sein Vorgänger Medwedew wurde am Dienstag ins Amt des Ministerpräsidenten gewählt.

mg/dp-afx/dapd
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