Dienstag, 28. Januar 2020

Drohender Handelskrieg Spanien will WTO gegen Argentinien mobilisieren

Repsol-Teilenteignung: Wie Spanien eine Staatsaffäre produziert
REUTERS

Spanien weiß sich im Streit mit Argentinien offenbar alleine nicht mehr zu helfen. Jetzt will Spaniens Regierung die EU und die Welthandelsorganisation WTO gegen das lateinamerikanische Land in Marsch setzen - und Revanche für die drohende Repsol-Teilenteignung durch Argentinien.

Madrid - Spanien will in dem eskalierenden Streit über die Verstaatlichung der Repsol -Tochter in Argentinien offenbar die Welthandelsorganisation (WTO) einschalten. Die erboste Regierung werde die Europäische Union darum bitten, eine Beschwerde bei der WTO gegen Argentinien einzulegen, verlautete am Mittwoch aus Regierungskreisen. Weitere Details waren zunächst nicht zu erhalten.

Spanien hatte bereits am Dienstag wirtschaftliche "Vergeltung" angekündigt. Madrid drohte wegen der "Feindseligkeit" gegenüber dem spanischen Ölmulti Konsequenzen auf diplomatischer Ebene sowie im Bereich Industrie und Energie an. Die EU-Außenminister wollen bei ihrem Treffen am Montag darüber beraten, wie sie mit dem Streit zwischen Spanien und Argentinien umgehen.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums bezeichnete die geplante Verstaatlichung am Mittwoch als "negative Entwicklung", die der Wirtschaft des lateinamerikanischen Landes und dem Investitionsklima schaden könne. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hatte am Montagabend die Verstaatlichung der Repsol-Tochter YPF angekündigt und diese mit der Bedeutung für die Energieversorgung begründet.

Das Parlament in Buenos Aires schritt mit den Verstaatlichungsplänen am Mittwoch ungeachtet der Kritik voran: Ein Ausschuss des Senats verständigte sich über die Grundzüge des entsprechenden Gesetzestexts.

Branchenexperten zufolge handelt es sich um die größte Verstaatlichung im Energiesektor, seit Russland vor rund zehn Jahren den Ölkonzern Yukos des damaligen Oligarchen Michail Chodorkowski unter die Kontrolle des Kreml brachte. Repsol gehören 57 Prozent an YPF. Den Wert der Tochter beziffert Repsol auf 18 Milliarden Dollar und fordert auch eine entsprechende Entschädigung. Der Marktwert von YPF beläuft sich derzeit auf gut zehn Milliarden Dollar.

kst/rtr

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