Montag, 19. August 2019

Gipfel in Neu-Delhi Brics bringen Weltordnung ins Wanken

Mächtige Schwellenländer: Was die Brics-Staaten in die Waagschale werfen
AFP

3. Teil: China will Entwicklungsbank dominieren

China wirft mit seinem Gewicht - und der Wucht seiner Entwicklung - schon jetzt einen langen Schatten in den Brics. Es will die neue Entwicklungsbank dominieren, was Indien und Russland nicht gerne sehen. Und während ein verstärkter Außenhandel - in Renminbi abgerechnet - zwischen den Brics allen Mitgliedern helfen würde, sich etwas vom Greenback zu lösen, ist Chinas Yuan keinesfalls eine makellose Alternative.

Die Unterbewertung des Yuan, so Chellaney, "untergräbt im Zusammenspiel mit Exportsubventionen im Reich der Mitte systematisch das Verarbeitende Gewerbe in anderen Brics-Ländern, vor allem in Indien und Brasilien. Mehr noch: China ist im Vergleich mit seinen Brics-Partnern eine Status-Quo-Macht, die Indien nicht gerne im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sehen würde. Peking würde viel lieber das einzige Land Asiens mit einem permanenten Sitz in dem wichtigen Gremium sein.

Kurzfristig besteht die größte Herausforderung der Brics darin, ihre Konjunkturen wieder anzukurbeln. "Die Schwellenmärkte sind zwar immer noch die Lokomotive des globalen Zuges", sagt Pimco-Chef Mohamed El-Erian, "aber der Zug fährt jetzt langsamer." Ähnlich sieht das der Ökonom Eswar Prasad von der Cornell-Universität. "Die Last, das Wachstum der Welt auf ihrem Rücken zu tragen, macht den Schwellenmarkt-Volkswirtschaften zu schaffen", sagt Prasad.

Das Problem ist: Anders als vor vier Jahren, als China im Verhältnis zur Größe seiner Volkswirtschaft das weltweit größte Stimuluspaket auf den Weg brachte und seine Turbokonjunktur wieder unter Volldampf setzte, haben die Brics heute wenig Spielraum. Sie haben es mit starken Währungen, Inflation, Defiziten und Immobilienblasen zu tun. Die will man in Peking, Moskau, Delhi und andernorts nicht zusätzlich anheizen.

Brics-Staaten kämpfen gegen Konjunktureinbruch

Dennoch wird gegengesteuert, um keinen Einbruch der Konjunktur zu riskieren. In China hat die politische Führung erste Lockerungen der Kapitalvorschriften angeordnet.

Brasiliens Zentralbank hat am 7. März den Leitzins überraschend stark um 75 Basispunkte auf 9,75 Prozent gesenkt. Das war die fünfte Lockerung der Zinszügel seit August. Lateinamerikas größte Volkswirtschaft wird von einer Mischung aus hohen Steuern und Löhnen sowie einer starken Währung gebremst. Die Industrieproduktion ging im Januar im Monatsvergleich um 2,1 Prozent zurück. Und die Kreditvergabe der Banken an die Industrie bremste im Februar auf den geringsten Zuwachs in zwei Jahren ab.

Und China macht derzeit nicht nur dem Westen Sorge. Das Reich der Mitte kauft in großem Umfang Eisenerz und Sojabohnen von Brasilien, Eisenerz, Magnesium, Kupfer und andere Metalle von Südafrika sowie Kupfer von Indien. Nicht zu vergessen, die vielen Luxusautos aus Deutschland und anderen westlichen Ländern. Hat China ein Problem, bekommen das auch die Brics-Partner kräftig zu spüren. Deshalb hat zuletzt die Meldung des nationalen Statistikbüros in Peking für Unruhe gesorgt, wonach die Gewinne in Chinas Industriefirmen in der Periode Januar bis Februar gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent zurückgingen. 2011 waren sie noch um 25 Prozent gestiegen.

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