Freitag, 13. Dezember 2019

Gipfel in Neu-Delhi Brics bringen Weltordnung ins Wanken

Mächtige Schwellenländer: Was die Brics-Staaten in die Waagschale werfen
AFP

2. Teil: Weitere Schwellenländer stehen bereits in den Startlöchern

Viel steht auf dem Spiel, wenn Indiens Premier heute nacheinander mit den Regierungschefs der Partnerländer konferiert: Es geht um die eingetrübte Weltwirtschaft, die Reform internationaler Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie sichere Energieversorgung und die Produktion von genügend Nahrungsmitteln.

Legen die Brics am Ende des Gipfels mit ihrer Delhi-Deklaration nichts Konkretes auf den Tisch, was den Aufbau gemeinsamer Strukturen verspricht, könnte die Gruppierung im Jahr vier nach ihrer formalen Gründung als Schwellenmarkt-Schwatzbude abgetan werden.

Falls sich die genannten Pläne konkretisieren, könnte das jedoch der Anfang einer neuen internationalen Finanzarchitektur werden. Weitere Schwellenmärkte wie die Türkei, Indonesien, Mexiko und Argentinien stehen bereits in den Starlöchern für eine G7 oder G8 der künftigen Märkte.

Brics wollen sich von der Vorherrschaft des Dollar lösen

Die Mitglieder der Gruppe haben starke Ansatzpunkte, um gemeinsame Pläne zu entwickeln und zusammen Außenpolitik zu betreiben. Zum Beispiel den Wunsch, die globale Ordnung nicht länger von Europa und den USA dominieren zu lassen. Oder sich von der Vorherrschaft des Dollars zu lösen. Dessen Schwäche treibt ihre Währungen in die Höhe und erschwert die Exporte.

Und die ultra-lockere Geldpolitik der US-Notenbank hat einen Tsunami von Kapital in die Schwellenmärkte in Bewegung gesetzt, die zu einer Blase der Immobilienmärkte führte, die Inflation anheizte und mit strikter Geldpolitik in den Brics bekämpft werden musste. Brasiliens Handels- und Industrieminister Fernando Pimentel kündigte am Mittwoch an, in der Abschlusserklärung für diesen Brics-Gipfel die "unfaire Geldpolitik" in Europa und den USA zu thematisieren. Das dürfte die globale Konfrontation über das, was Brasiliens Regierung bereits vor zwei Jahren als Währungskrieg bezeichnet hatte, verschärfen.

"Die Brics sind in ihrem Frust über den Dollar vereint, für jedes Brics-Mitglied sind die USA der wichtigste Handelspartner", erklärt Brahma Chellaney, Professor für strategische Studien am Center for Policy Research in Neu-Delhi. Doch bevor die Gruppe ein ernst zu nehmender Lobbyist für die Reform internationaler Organisationen werden kann, muss sie zunächst ihr eigenes Gleichgewicht finden. Das wird schwierig sein.

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