Mittwoch, 23. Oktober 2019

Privatisierungswelle Griechenland startet den Ausverkauf

Griechisches Tafelsilber: Welche Firmen Hellas loswerden will
DPA

Alles muss raus: Zum Schuldenabbau hat die griechische Republik nahezu ihr gesamtes Vermögen einem Treuhandfonds übertragen. Der soll in Rekordzeit 50 Milliarden Euro lockermachen, erste Deals stehen bevor. Die größte Privatisierungsaktion der Geschichte ist ein großes Wagnis.

Hamburg - Die Rothschilds dürften kaum amüsiert sein. An ihrem Sommersitz in einem bisher lauschigen Winkel der griechischen Insel Korfu bekommt die Londoner Bankiersfamilie wohl bald neue Nachbarn. Das noch unbebaute 490.000-Quadratmeter-Grundstück mit Wald, privatem See und langer Küstenlinie wird meistbietend versteigert. Ausgerechnet mit der Nähe zum exklusiven Anwesen, wo sich regelmäßig die britische High Society einfindet, bewirbt der Verkäufer "das extrem hohe Entwicklungspotenzial".

Bisher mochte die Hellenische Republik, der das Land gehört, nichts damit anfangen. Doch nun gehört das Glamour-Grundstück dem Treuhandfonds HRADF, der als Aktiengesellschaft firmiert und auf 50 Milliarden Euro taxiertes Staatsvermögen maximieren, vor allem aber in seiner auf sechs Jahre angelegten Lebenszeit zu Geld machen soll. Die Urlaubsruhe der Rothschilds muss diesem Ziel weichen.

Schon 2008 hieß es in der britischen Presse, die Rothschilds hätten über den konservativen Politiker George Osborne - inzwischen in London Schatzkanzler - den Stab gebrochen, weil er nach einem Besuch auf Korfu zu viel über das diskrete Refugium verraten hatte. Auf solche Befindlichkeiten nimmt die Athener Regierung jetzt keine Rücksicht mehr. Sie achtet ja schon die eigenen Befindlichkeiten nicht mehr, hatte es doch nach Ratschlägen deutscher Politiker, die Griechen mögen ihre Inseln verkaufen, noch einen Aufschrei gegeben. Genau das steht jetzt an.

Immerhin ist das fünfköpfige Direktorium der Treuhand zum Teil nach Parteiproporz besetzt - Sozialisten, Konservative und Nationalisten entsandten jeweils einen Vertreter. Die operative Führung liegt aber bei Kostas Mitropoulos, der zuvor die Investmentsparte der privaten EFG Eurobank Börsen-Chart zeigen leitete, und dem früheren Post-Chef Andreas Taprantzis. Die Erwartungen, als der Fonds im vergangenen Juli gebildet wurde, waren hoch. Wörtlich alle zehn Tage werde ein Verkauf stattfinden, hieß es. Daraus wurde zunächst nichts.

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