Nach Schuldenschnitt IWF-Chefin fordert weitere Reformen

Die Weltwirtschaft steht nach Einschätzung von IWF-Chefin Christine Lagarde nicht mehr am Rande des Abgrunds. Die Risiken seien aber nach wie vor hoch. Es gebe keinen Grund sich zurückzulehnen, warnt Lagarde und fordert weitere Reformen.
Risiken im Blick behalten: Die Präsidenten des Internationalen Währungsfonds, Lagarde, warnt nach dem Schuldenschnitt für Griechenland vor Bequemlichkeit

Risiken im Blick behalten: Die Präsidenten des Internationalen Währungsfonds, Lagarde, warnt nach dem Schuldenschnitt für Griechenland vor Bequemlichkeit

Foto: David Ramos/ Getty Images

Peking - Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, fordert weitere Finanzreformen, um die globale Wirtschaft wieder zu stärken. Trotz verbesserter Bedingungen nach dem Schuldenschnitt und der Freigabe des jüngsten Rettungspakets für Griechenland sei dies keine Zeit sich zurückzulehnen, sagte Lagarde am Sonntag auf einer Konferenz in Peking.

"Die Weltwirtschaft hat sich vom Abgrund entfernt und wir haben Gründe etwas optimistischer zu sein. Aber der Optimismus sollte uns kein Gefühl der Bequemlichkeit geben und er sollte uns schon gar nicht zu einem falschen Gefühl der Sicherheit verleiten."

Die Industrieländer müssten ihre Finanzsystem stärken und ihre hohe Schuldenlast bewältigen, Entwicklungsländer wiederum müssten sich besser gegen Finanzschocks von außen wappnen, sagte die IWF-Chefin bei ihrer Rede vor Vertretern von Politik und Wirtschaft aus China und dem Ausland. Die Erholung der Weltwirtschaft sei ein Marathon und kein Sprint.

Die Europäer sollten ihre Schulden im Auge behalten, sich auf die beständige und strenge Umsetzung finanzieller Maßnahmen konzentrieren und die wirtschaftliche Lage in Griechenland beobachten. Als "Schwachstellte" bezeichnete Lagarde, dass in der Eurozone 23 Prozent des Bruttoinlandsproduktes alleine für den Schuldendienst im öffentlichen Sektor und für die Banken aufgewandt.

"Erneuter Druck in einem dieser Bereiche könnte den Druck im anderen verstärken und zu viel größeren und längeren Kontraktionen von Kreditmenge und Wirtschaftsleistung führen", warnte Lagarde.

Die IWF-Chefin lobte China für seine konjunkturfördernden Maßnahmen, die zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beigetragen hätten. Wichtig sei es aber nun, dass China weiterhin die heimische Wirtschaft mit "bescheidenen" Finanzspritzen unterstütze und im Binnenkonsum einen neuen Antrieb für weiteres Wachstum finde, sagte Lagarde. Die heutigen Risiken für die Weltwirtschaft seien "eindeutig global", schloss sie. "Wir sind alle miteinander verknüpft und wir sind alle vom politischen Handeln der anderen betroffen."

Der IWF hatte am Donnerstag beschlossen, 28 Milliarden Euro zum neuen Griechenland-Rettungspaket beizusteuern. Tags zuvor hatte die Eurogruppe dem Paket endgültig zugestimmt und eine erste Tranche von knapp 40 Milliarden Euro freigegeben. Insgesamt umfasst es 130 Milliarden Euro.

rei/dapd/dpa
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