Tourismus Hellas zieht nicht mehr

Das Reisegeschäft ist einer der wenigen Wirtschaftsbereiche, der dringend benötigtes Geld nach Griechenland spülen könnte. Doch die noch vor Kurzem erfolgsverwöhnte Branche schwächelt. Und dafür ist nicht zuletzt der verschärfte Ton zwischen Griechen und Deutschen verantwortlich.
Blick auf die Akroplis: Aktuelle Buchungszahlen lassen 2012 weniger Besucher erwarten

Blick auf die Akroplis: Aktuelle Buchungszahlen lassen 2012 weniger Besucher erwarten

Foto: GZF / dapd

Hamburg - In der Empfangshalle des Athener Acropolis Museum Boutique Hotels herrscht gähnende Leere. Kein Tourist wartet in der mit Stilmöbeln und schweren Vorhängen dekorierten Vorhalle auf ein Taxi. Auch auf den Sofas am Treppenaufgang herrscht gähnende Leere. Um 20 bis 30 Prozent, schätzt Rezeptionistin Andrea Draghici sei die Zahl der Gäste in den vergangenen Wochen und Monaten gesunken. "Vor allem Ausländer bleiben weg ", sagt sie zu manager magazin online. "Sie haben Angst vor den Streiks."

So wie in dem eleganten Hotel in Gehweite zur Akropolis sieht es vielerorts in Griechenland aus. Die Gäste bleiben weg. Zwar beginnt die Hauptreisesaison für Griechenland erst in einigen Monaten - noch ist es zu kalt. Doch auch bei den Buchungen sieht es derzeit ernüchtern aus. Beim größten deutschen Griechenlandanbieter Tui  liegen sie derzeit fast 30 Prozent niedriger als noch im Vorjahr.

Bei anderen Anbietern sieht es genauso aus. "Im Moment laufen die Buchungen nicht so gut", räumt Panagiotis Skordas ein, Direktor des griechischen Fremdenverkehrsbüros. Genaue Zahlen will er, wie der Deutsche Reiseverband (DRV), nicht liefern, der allerdings einen Rückgang im zweistelligen Bereich bestätigt. Und auch bei Thomas Cook  ist man mit konkreten Zahlen zurückhaltend. "Es gibt einen Markttrend. Und in dem bewegen wir uns natürlich auch", sagt Thomas-Cook-Specher Mathias Brandes.

Für die Griechen - einmal mehr - schlechte Nachrichten - trotz des unerwarteten Exportplus' im Warenhandel 2011. Schließlich sind die Deutschen ihre wichtigsten Kunden. Mehr als zwei Millionen Bundesbürger reisen jedes Jahr nach Hellas. Noch im Jahr 2010 rangierte das Land laut DRV auf Platz sieben der beliebtesten Reiseziele bei den deutschen Reiseweltmeistern. Im vergangenen Jahr legten die Buchungen sogar noch einmal zu, weil viele Urlauber wegen der Aufstände in Nordafrika ihre Reisen nach Tunesien und Ägypten absagten und stattdessen auf den Peloponnes fuhren. Außerdem hatten einige Anbieter die Preise gesenkt.

Das Resultat war ein Buchungsplus von satten 10 Prozent für die Branche, die so wichtig ist für Griechenland. Mehr als 15 Prozent trug der Tourismus laut den griechischem Reiseverband Sete 2010 zur griechischen Wirtschaftsleistung bei. Mehr als jeder Sechste ist in der Branche tätig. Jeder Reisende lässt statistisch gesehen rund 640 Euro in dem Land.

Düstere Aussichten

Doch dieses Jahr sieht es deutlich düsterer aus: Der Tourismus in Tunesien ist auf Erholungskurs. Reisen nach Griechenland planen hingegen immer weniger deutsche Gäste. Experten sehen dafür verschiedene Gründe: Zum einen ist Griechenland - beispielsweise im Vergleich zur Türkei - nicht unbedingt günstig. Und auch die Investitionen in die Infrastruktur fielen deutlich bescheidener aus in anderen Ländern, sagt DRV-Sprecher Torsten Schäfer. Zum einen, weil dies angesichts der aktuellen Lage nicht unbedingt einfach sein dürfte. Zum anderen schien es den Griechen offenbar nicht notwendig. "Die Leute kamen ja ohnehin", sagt Schäfer.

Die im Fernsehen übertragenen Streiks und teils gewalttätigen Proteste fördern auch nicht gerade das Image vom idealen Urlaubsland. So mancher fürchtet, womöglich von seinem Urlaubsort nicht mehr wegzukommen. Von den Protesten würden Urlauber allerdings nicht sehr viel mitkriegen, glaubt Branchenkenner Schäfer. "Schließlich machen mehr als 90 Prozent der Touristen ja auf den Inseln Urlaub", sagt er. "Und da ist es ruhig."

Last-Minute-Rettung?

Hauptgrund für das Wegbleiben der Deutschen ist nach Einschätzung von Experten jedoch ein anderer. "Es sind vor allem die Antipathien, die uns Probleme bereiten", glaubt Tourismusdirektor Skordas. Davon, dass gegenseitige Vorwürfe, Nazi-Vergleiche und SS-Polemik im wesentlichen für die Zurückhaltung Verantwortlich sind, davon ist auch Tui-Deutschland-Sprecherin Anja Braun überzeugt. "Die sehr emotional geführte Debatte ist sicher der Hauptgrund", sagt sie. "Viele fühlen sich einfach nicht willkommen." Und auch Thomas-Cook-Sprecher Brandes sieht ein "Imageproblem, kein Produktproblem".

Genau daran will Fremdenverkehrsdirektor Skordas nun arbeiten. Er hofft, dass die Politiker die in wenigen Tagen beginnende Internationale Tourismusbörse (ITB) in Berlin nutzen werden, um die Wogen zu glätten und damit doch noch viele Deutsche zur Reise in das Mittelmeerland bewegen können. Rettung "Last Minute".

Dass die Bundesbürger fürchten müssen, in Griechenland nicht willkommen zu sein, glaubt Branchenvertreter Schäfer nicht. Die Menschen auf den Inseln wüssten genau, was es für Folgen hätte, sollten die Besucher wegbleiben, sagt er. "Warum sollten die denn ihr eigenes Geschäft kaputt machen?"

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.