Dienstag, 12. November 2019

Frankreich, Österreich, Großbritannien Ratingagenturen kreisen Topländer ein

Topbewertung auf wackeligen Füßen: Länder wie Frankreich geraten unter Druck

Moody's stuft sechs schwächelnde Euro-Länder ab - doch in den Fokus der Ratingagenturen sind längst auch Länder mit Topbonität geraten. Nach dem heutigen Votum wächst in Paris, Wien und sogar London die Furcht vor dem Verlust des Triple A.

New York - Für Frankreich wird der Spielraum als sicherer Schuldner enger. Nach der Aberkennung der Top-Note durch die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's äußert nun auch deren kleinere Rivalin Moody's Zweifel an der Bonität der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone.

Dasselbe Urteil ereilte in der Nacht zum Dienstag Großbritannien, das nicht zur Währungsgemeinschaft gehört. Beiden Staaten und als Drittem im Bunde Österreich stellte Moody's einen Verlust des Spitzenratings AAA in Aussicht. Zugleich beurteilte die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Italiens und Spaniens, der dritt- und viertgrößten Volkswirtschaften der Euro-Zone, schlechter und senkte deren Noten. Sie teilen dieses Schicksal mit Portugal, Malta, der Slowakei und Slowenien.

Moody's begründete seinen Schritt mit "einer Reihe von spezifischen Kreditrisiken, für die die öffentlichen Finanzen dieser Staaten besonders anfällig sind". Die Finanzierungsbedingungen blieben noch mehrere Quartale lang unsicher. Dies habe Folgen für die Kreditwürdigkeit der Staaten.

Börse reagiert sofort

Euro Börsen-Chart zeigen und britisches Pfund gerieten daraufhin in Fernost unter Druck. Die Gemeinschaftswährung rutschte kurzfristig auf bis zu 1,3145 Dollar ab, bevor sie sich wieder auf 1,3162 erholte. Dem Aktienhandel nahm die Entscheidung allen Schwung. "Den asiatischen Märkten ist klar geworden, dass es noch keine Lösung gibt, und das hat die Sorgen wegen der europäischen Probleme wiederbelebt", sagte Frances Cheung von Credit Agricole CIB in Hongkong. "Der negative Ausblick für Großbritannien hat seinen Teil dazu beigetragen. Bisher galt das Land als ziemlich immun, weil es nicht zur Euro-Zone gehört."

Die Bonität Deutschlands ist dagegen auch aus Sicht von Moody's über jeden Zweifel erhaben. Die Agentur bezeichnete die Top-Note AAA für die größte Volkswirtschaft Europas als angemessen und bekräftigte dieses Rating zugleich für die Euro-Staaten Finnland, Luxemburg und die Niederlande sowie für Dänemark.

Am deutschen Anleihenmarkt sind die Kurse dementsprechend gestiegen. Der für den Anleihemarkt richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg am Morgen um 0,22 Prozent auf 135,53 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 1,901 Prozent.

Auch der Euro-Rettungsfonds EFSF behält bei Moody's die Spitzenbewertung. Je kreditwürdiger ein Land oder Anleiheemittent gilt, desto günstiger kommt es in aller Regel auf dem Kapitalmarkt an frisches Geld. Zudem sind viele institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen verpflichtet, beim Kauf von Schuldenpapieren ein möglichst geringes Risiko einzugehen.

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