Donnerstag, 14. November 2019

Kältewelle Gazprom gegen Extralieferungen nach Europa

Eiszapfen am Ufer der Spree in Berlin: Ein Hoch über Russland sorgt für Dauerfrost in Europa.

In weiten Teilen Europas herrschen zweistellige Minusgrade - doch der russische Energiekonzern schließt zusätzliche Gaslieferungen in die Europäische Union aus. Die Versorgung Russlands habe Vorrang. Immerhin ist das Normalniveau nach Angaben des Konzerns wieder erreicht.

Moskau - Der russische Energiekonzern Gazprom hat seine Gaslieferungen nach Europa wieder auf das normale Niveau heraufgefahren. Allerdings könnten die Wünsche der westeuropäischen Großkunden nach Sonderlieferungen nicht erfüllt werden, sagte Gazprom-Finanzvorstand Andrej Kruglow dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin am Samstag.

Der bulgarische Wirtschafts- und Energieminister bestätigte, dass die Liefermenge nach Bulgarien, Griechenland, Mazedonien und in die Türkei wieder den normalen Umfang erreicht habe. In den vergangenen Tagen waren wegen der Kältewelle im Heimatmarkt die Lieferungen nach Angaben des Monopolisten um rund zehn Prozent gedrosselt worden. Dabei seinen aber keine Vertragspflichten verletzt worden.

In Deutschland kam am Freitag rund ein Drittel weniger Gas an als gewöhnlich, wie die Importeure Eon-Ruhrgas und RWE bestätigten. Bundesregierung und Unternehmen betonten aber, aufgrund gut gefüllter Gasspeicher sei die Versorgung über längere Zeit gesichert.

Die Kappungen erinnern an die Einschränkungen im Jahr 2009, als über zwei Wochen wegen eines Streits zwischen Russland und dem Transitland Ukraine erheblich weniger Gas nach Mitteleuropa strömte. Die Regierung in Kiew hatte kürzlich den russischen Konzern erneut aufgefordert die Gaspreise zu senken.

122 Todesopfer in der Ukraine

Gazprom-Vertreter vermuteten am Freitag, das die Ukraine mehr Gas aus den Leitungen entnehme, als ihr vertraglich zustünde. Im vergangenen Jahr erhöhte Gazprom die Gaslieferungen auf 150 Milliarden Kubikmeter. 2010 waren es noch 138,6 Milliarden gewesen.

Mit Hilfe der neuen Nord-Stream-Pipeline, die unter der Ostsee verläuft und bei Greifswald mündet, will das Unternehmen die Lieferungen auf 164 Milliarden Kubikmeter Gas erhöhen.

Die Kältewelle hat derweilen weite Teile Europas weiter fest im Griff. Besonders Osteuropa leidet unter dem Hoch über Russland. Innerhalb von 24 Stunden starben allein in der Ukraine 21 Menschen, womit die Zahl der Kältetoten in dem osteuropäischen Land auf 122 stieg.

mh/Reuters

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