Donnerstag, 19. September 2019

Schuldenkrise Ein Geheimplan zur Rettung des Euro

Griechische Euro-Münze: Panik in Resteuropa, Gleichmut in Deutschland

Griechenland am Rande der Pleite, immer mehr Länder im Visier der Märkte. Vor dem heutigen EU-Gipfel wird die Forderung immer lauter: Deutschland soll mehr tun, um die Währung und die Welt zu retten. Doch das offizielle Berlin reagiert betont cool. Wird da nur ein großes Theaterstück aufgeführt?

Der Druck ist gewaltig. Die Partner in Europa, die Amerikaner, hinter den Kulissen auch Brasilianer, Russen, Inder… - sie alle machen Deutschland Dampf. Die Bundesrepublik soll mehr tun, um bedrängten Euro-Staaten beizustehen: die Brandmauer verstärken, mehr Garantien gewähren, die Europäische Zentralbank (EZB) von der Leine lassen, um, falls nötig, unbegrenzt Staatsschulden aufzukaufen.

Während wieder mal das Szenario einer ungeordneten Griechenland-Pleite durch die Lande geistert, nennt Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Bundesrepublik den "ökonomischen Dreh- und Angelpunkt des Euro-Gebiets". Bei ihrer Berliner Rede vorige Woche formulierte sie zwar keine expliziten Forderungen an Deutschland. Aber es war klar, wen sie meinte, als sie sagte: Wer jetzt nicht das Nötige tue, der riskiere, dass die Welt in einen "1930s moment" abrutsche - eine globale, sich selbst verstärkende Depression.

Wie um das Argument zu unterstützen, korrigierten die IWF-Ökonomen ihre Prognosen parallel dazu nach unten. Ihr Szenario ist düster: Der Euro-Zone sagen sie für 2012 ein Schrumpfen des Sozialprodukts vorher - Stagnation in Deutschland, eine heftige Rezession in Italien und Spanien.

Wieder mal ist Panik zu spüren. Das ist die stimmungsmäßige Großwetterlage, wenn sich am heutigen Montag Europas Staats- und Regierungschef zum Krisengipfel treffen. Werden die Rettungsfonds nun weiter aufgestockt? Rüsten sich Europas Führungsfiguren zum Endkampf um den Euro? Wird jetzt die "große Bazooka" herausgeholt?

Das offizielle Deutschland reagiert - betont cool.

All die Vorhaltungen und Forderungen scheinen das heimische Spitzenpersonal nicht besonders zu beeindrucken. Angela Merkel beschied das globale Publikum beim Weltwirtschaftsforum in Davos, man solle Deutschland nicht überfordern. Und wer mit führenden wirtschaftspolitischen Köpfen spricht, trifft eine Menge Leute, die weit von Panikattacken entfernt zu sein scheinen. Ob Finanzminister Wolfgang Schäuble oder Bundesbank-Präsident Jens Weidmann - sie strahlen die Gewissheit aus, dass alles schon nicht so schlimm werde. Kein Grund, sich verrückt machen zu lassen, das ist ihre Botschaft, wir dürfen uns nicht von der Hysterie der Märkte (und der Medien) anstecken lassen.

Besonders Schäuble gibt sich gelassen. Im Interview im aktuellen manager magazin sagt er, es sei doch "Unsinn", dass Deutschland einen Kollaps des Euro riskiere. Im Übrigen sei er sicher: Der Euro werde nicht scheitern.

Panik versus Gleichmut - wie ist diese seltsame Gleichzeitigkeit zu erklären?

Nicht wenige Angelsachsen halten die Deutschen schlicht für ignorant, für dumm, zumindest aber für schlecht beraten. Das ist zu kurz gegriffen. Immerhin: Der Euro ist bislang nicht untergegangen - obwohl das Projekt immer wieder am Abgrund zu stehen schien.

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