Davos World Economic Forum 2012 Einfach mal die Welt retten?

Das World Economic Forum in Davos hat traditionell eine gewichtige Agenda - nicht weniger als eine "große Transformation" sei im Gange, heißt es vorab. Die 2600 Teilnehmer setzen sich große Ziele, um die Weltwirtschaft vom Burnout-Syndrom zu befreien. Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle.
Von Arne Gottschalck
Protest im Schnee: Die Occopy-Bewegung in Davos

Protest im Schnee: Die Occopy-Bewegung in Davos

Foto: REUTERS

Hamburg - An Arbeit dürfte es ihnen nicht mangeln, den rund 2600 Teilnehmern des World Economic Forums (WEF) im schweizerischen Davos. Denn die Weltwirtschaft wirke, als leide sie an einen Burnout-Syndrom, formuliert es Forumsgründer Klaus Schwab während einer Pressekonferenz vor dem offiziellen Beginn des Forums am Mittwoch.

Und so steht das Treffen auch unter dem Motto "The Great Transformation - Shaping New Models", die große Transformation und die neuen Modelle, die nun zu gestalten seien. Große Vorhaben. Und doch bitter nötig.

"Wir leben nun einmal in einer Phase der Transformation", sagt Lee Howell, Managing Director des World Economic Forum. Diese Transformation beinhalte viele Herausforderungen, sei es die schiere Zahl der Menschen auf der Erde - über 7 Milliarden sind es zwischenzeitlich - und deren Folgen, zum Beispiel die markanten Änderungen der globalen Wirtschaft. Man brauche neue Modelle, so Howell, damit die Wirtschaft nachhaltig wachsen könne.

Wie sehr es dabei auf Deutschland ankommt, kann man aus der Agenda selbst herauslesen. Denn Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die Eröffnungsrede halten. Wasser auf die Mühlen der Politiker, die Deutschland zu einem größeren Beitrag auffordern, zum Beispiel zur Aufstockung des Eurorettungsfonds ESM. In der Tat sind es die globalen Ungleichgewichte, die den Experten die meisten Sorgen bereiten, zeigt eine Umfrage unter 1200 Experten, die das WEF am Montag veröffentlichte.

Wirtschaftspolitik gewinnt an Bedeutung

Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) betonte, Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und Protektionismus seien die Hauptsorgen zu Beginn des Jahres 2012. Große Worte, große Ziele, große Pläne. Doch fernab der verschneiten Hügel von Davos sieht das Bild etwas weniger visionär aus.

Aus Kiel beispielsweise regt Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, an: "Wir brauchen eine neue Besinnung über das, was es bedeutet, ein Bewohner dieses Planeten zu sein. Ein Diskussionsforum kann dies nicht ersetzen." Und weiter: "Es wird viel über Staatsschulden und etwas über Iran geredet werden, aber ich bezweifele, dass man eine neue, implementable Agenda finden wird." Aus Lichtenstein sagt Jörg Zeuner: "Wir erwarten keine wesentlichen Impulse vom Weltwirtschaftsforum." Er ist Chefvolkswirt der VP Bank. "Die Unternehmen stellen sich weltweit auf ein schwieriges Umfeld ein. Eine Verbesserung dieses Umfelds kann derzeit aber vor allem die internationale Wirtschaftspolitik erreichen. Da zählen andere Gremien - etwa die G 20 - und die internationale Zusammenarbeit in der Europäischen Union und den wichtigsten internationalen Institutionen."

Und das sei auch der Punkt, an dem das WEF ansetzen könne. "Die internationale Kooperation ist sehr wichtig. Die Verflechtung der Handels- und Finanzbeziehungen zeigt sich bei jeder Bewährungsprobe aufs Neue. Bereits 2009 hat vor allem die internationale Kooperation sehr zu einer Stabilisierung und letztendlich zu einer Verbesserung der Lage beigetragen. Wir begrüssen die sich abzeichnende fiskalpolitischen Integration innerhalb der Eurozone", so Zeuner.

Protest dagegen wird es geben, sogar im mit 5000 Soldaten abgeriegelten Davos. Denn Anhänger der "Occupy-Bewegung" haben ihren Weg auch in die Bergwelt gefunden und Iglus gegraben. Denn der Weltwirtschaft droht einiges Ungemach, prophezeit Volkswirt Zeuner. "Wir erwarten eine Zeit niedriger Wachstumsraten. Der Abbau von Überschuldung in der Eurozone und in den USA - staatlich und privat - bremst das Wachstum der Pro-Kopf-Einkommen. Der eingeschlagene Weg vor allem in der Eurozone lässt eine langsame Beruhigung der Situation erwarten, aber kaum eine rasche Lösung." Und IfW-Chef Snower sagt: "Es ist mehr als schwierig, die Welt zu retten, da wir ein kulturelles Einvernehmen haben über das, was wünschenswert in der Weltwirtschaft und Weltgemeinschaft wäre."