Verhandlungen Bankenvertreter Dallara reist aus Athen ab

Seit Monaten feilschen Regierung und Gläubiger Griechenlands um einen Schuldenerlass. Noch vor dem Euro-Gipfel am Montag soll eine Lösung präsentiert werden - doch das wird immer unwahrscheinlicher. Chefunterhändler Dallara kehrte nach Paris zurück.
Ihm läuft die Zeit davon: Der griechische Premierminister Lucas Papademos (Mitte) strebt an Einigung bis Montag an.

Ihm läuft die Zeit davon: Der griechische Premierminister Lucas Papademos (Mitte) strebt an Einigung bis Montag an.

Foto: Orestis Panagiotou/ dpa

London/Athen - Die von Griechenland mit Hochdruck angestrebte Einigung mit seinen privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt lässt auf sich warten. Die direkten Gespräche zwischen Regierung und Internationalem Bankenverband IIF wurden nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen am Samstag unterbrochen.

Die Verhandlungen würden am Wochenende telefonisch fortgesetzt, so dass eine Vereinbarung wahrscheinlich frühestens kommende Woche erreicht werden könne. IIF-Chefunterhändler Charles Dallara und sein Sonderberater Jean Lemierre seien nach zweitägigen Verhandlungen am Morgen nach Paris zurückgeflogen.

"Die Materie ist kompliziert. Es gab zwar eine Annäherung bei den Zahlen, aber es ist noch einige Arbeit zu tun", sagte ein Informant der Nachrichtenagentur Reuters. Die Griechen wollten eine Einigung unbedingt noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montag unter Dach und Fach bringen, damit noch genug Zeit für eine rechtzeitige Umsetzung bleibt.

Ein mit den Verhandlungen vertrauter Banker sagte Reuters in der Nacht, erst am Montag werde endgültige Klarheit über die Gültigkeit einer Einigung herrschen. "Die Minister werden sich den Vorschlag ansehen und dann darüber entscheiden. Wenn sie ihn ablehnen, müssen wir zurück an den Verhandlungstisch."

Die angestrebte Einigung mit den privaten Gläubigern - neben Banken sind das Versicherer und Hedgefonds - ist Teil eines Entschuldungsplans für Griechenland. Die Regierung in Athen feilscht bereits seit Monaten mit dem IIF über einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger. Der Schuldenschnitt ist die Voraussetzung dafür, dass das Euro-Land dringend benötigte Mittel aus einem 130 Milliarden Euro schweren Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) erhalten kann. Ohne das Geld droht dem Land bereits im März ein ungeordneter Bankrott, wenn Staatsanleihen im Volumen von 14,5 Milliarden Euro bedient werden müssen. Im Gegenzug für die Hilfen muss sich das Ägäisland jedoch zu weiteren Reformen verpflichten.

Die Griechen wollen eine Einigung unbedingt noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montag unter Dach und Fach bringen, damit noch genug Zeit für eine rechtzeitige Umsetzung bleibt. Ein mit den Verhandlungen vertrauter Banker sagte der Nachrichtenagentur Reuters, erst am Montag werde endgültige Klarheit über die Gültigkeit einer Einigung herrschen. "Die Minister werden sich den Vorschlag ansehen und dann darüber entscheiden. Wenn sie ihn ablehnen, müssen wir zurück an den Verhandlungstisch."

Ein vorläufiger Kompromiss würde bis auf weiteres einen Staatsbankrott des südosteuropäischen Euro-Landes verhindern. Für die privaten Gläubiger dürfte eine Übereinkunft aber mit einem Forderungsverzicht von 65 bis zu 70 Prozent verbunden sein. Im Gegenzug sollen ihnen nach Angaben eines Bankenvertreters Staatsanleihen mit einer 30-jährigen Laufzeit und einer Verzinsung von durchschnittlich vier Prozent angeboten werden.

Umstrittenes Modell

Die angestrebte Einigung mit den privaten Gläubigern - neben Banken sind das Versicherer und Hedgefonds - ist Teil eines 130 Milliarden Euro umfassenden Entschuldungsplans für Griechenland. Die Regierung in Athen feilscht bereits seit Monaten mit dem IIF über einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger. Der Schuldenschnitt ist die Voraussetzung dafür, dass das Euro-Land dringend benötigte Mittel aus dem Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) erhalten kann.

Ohne das Geld droht dem Land bereits im März ein ungeordneter Bankrott, wenn Staatsanleihen im Volumen von 14,5 Milliarden Euro bedient werden müssen. Im Gegenzug für die Hilfen muss sich das Ägäisland jedoch zu weiteren Reformen verpflichten.

Die angestrebte Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) bedeutet jedoch noch nicht, dass der langwierige Schuldenschnitt-Prozess damit zu Ende ist. Ob der erfolgreich wird, hängt davon ab, wie viele Banken und andere Besitzer griechischer Staatsanleihen mitmachen und auf Geld verzichten. Angepeilt ist die Summe von 100 Milliarden Euro.

Ackermann warnt vor hohen Kosten

Unterdessen warnt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vor den hohen Kosten des angestrebten Schuldenschnitts für Griechenland für Europa: "Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Dieses Prinzip wurde verletzt - und zwar entgegen allen Aussagen, die zuvor gemacht worden waren", sagte Ackermann. "Dafür werden wir einen hohen Preis zahlen müssen, unter anderem in Form höherer Zinsen, die Investoren von vielen Regierungen verlangen werden."

"Die Beteiligung privater Gläubiger war aus politischen Gründen notwendig. Anders hätte es im Deutschen Bundestag keine Mehrheit für das Rettungspaket gegeben", sagte Ackermann. "Aber klar ist auch, dass dies eine historische Trendwende markiert: Europäische Staatsanleihen waren bisher mündelsicher."

Deutsche Beamte für Athen

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler denkt über konkrete Hilfen für Griechenland nach. Er will deutsche Beamte als Aufbauhelfer nach Athen schicken. Sie könnten bei der Reform der Verwaltung helfen, sagte der FDP-Vorsitzende der "Rheinischen Post" (Samstagausgabe). Die Bundesregierung arbeite bereits eng mit der Task Force für Griechenland zusammen. "Gerade bei den Rahmenbedingungen, wie Genehmigungsverfahren und Mittelstandsstärkung, können wichtige Impulse für das Wirtschaftswachstum geschaffen werden", sagte er.

Rösler sprach sich zugleich für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone aus. Sollte aber der nächste Bericht der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds über die Umsetzung der Spar- und Reformauflagen in Griechenland negativ ausfallen, "muss man die Lage neu bewerten und entscheiden", sagte der Minister.

mh/dpa/reuters/dapd