9 Prozent Wachstum Chinas Boom ebbt ab

Der Motor der Weltwirtschaft läuft langsamer. Das Wirtschaftswachstum in China ist auf den niedrigsten Wert seit neun Jahren gefallen. Exporte und Industrieproduktion gingen gar zurück. Chinas Führung spricht von einer kontrollierten Abkühlung.
Jahreswechsel in Peking: Für dieses Jahr werden noch 8 Prozent Wachstum vorhergesagt

Jahreswechsel in Peking: Für dieses Jahr werden noch 8 Prozent Wachstum vorhergesagt

Foto: Getty Images/ ChinaFotoPress

Peking - Im vierten Quartal des vergangenen Jahres wurden nur noch 8,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erreicht. Damit ergibt sich für das abgelaufene Jahr ein Wachstum von insgesamt 9,2 Prozent und deutlich weniger als 2010, wie das Statistikamt am Dienstag in Peking berichtete. Eine geringere Wachstumsrate gab es zuletzt 2002 mit 9,1 Prozent. Die letzten drei Monate 2011 markierten den schlechtesten Quartalswert seit Frühjahr 2009, als die chinesische Wirtschaft auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise ihr Wachstumstempo auf 7,9 Prozent drosselte.

Dem Bericht zufolge schrumpften sowohl die Industrieproduktion als auch die Exporte in den Monaten November und Dezember. Immobilienverkäufe legten langsamer zu als zuletzt, seit die Regierung sich dem Kampf gegen Spekulation und steigende Häuserpreise verschrieben hat. Zugleich erreichte die Stadtbevölkerung laut dem Bericht erstmals eine Mehrheit von 51,3 Prozent der 1,3 Milliarden Chinesen.

Laut Ma Jiantang vom Statistikamt entspricht die Verlangsamung den Absichten der Regierung. "Ideal" wäre, das Wachstum zwischen 8,5 und 9 Prozent mit niedriger Inflation zu halten. Die Grundlagen des langfristigen Wachstums seien intakt. "Das bestätigt unsere Prognose einer weichen Landung", erklärte Ökonom Glenn Levine von der Ratingagentur Moody's.

Wegen der weltweiten Unsicherheiten und des Rückgangs der Nachfrage nach chinesischen Waren rechnen Experten in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft von etwas mehr als 8 Prozent. 2010 war die chinesische Wirtschaft noch um 10,4 Prozent gewachsen, wie das Statistikamt anhand nachträglich noch einmal überarbeiteter Zahlen präzisierte.

Das Wachstum verlangsamte sich auch wegen der knappen Geldpolitik zur Bekämpfung der hohen Inflation und der Kontrolle des überhitzten Immobilienmarktes in China. Nach der Abschwächung des Inflationsdrucks zum Jahresende und wegen der "düsteren" Aussichten für die Exportindustrie wachsen Spekulationen, dass die Regierung die Geldpolitik vielleicht doch wieder etwas lockert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die nachlassende Nachfrage aus Europa für chinesische Güter hat bereits zu Unruhen aus Sorge um Arbeitsplätze in der Industrie geführt.

ak/dpa-afx/ap
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