Samstag, 24. August 2019

Megastädtebau Asiatische Milliarden entladen sich in Miami

Miami gilt als brummender Brückenkopf zwischen Südamerika und den USA. Derzeit aber darben der Immobiliensektor und der Jobmarkt. Milliardenprojekte asiatischer Investoren sollen der Stadt nun neues Leben einhauchen: Geplant wird das größte Kasino der westlichen Welt - und mehr.

Miami- Am Zipfel von Florida setzt mitten im darniederliegenden US-Immobilienmarkt ein Boom ein, der nicht nur vom wachsenden Tourismus und Handel in der Stadt geprägt wird. Massive Überschüsse asiatischer Konglomerate - wie Malaysias Kasino-Konzern Genting und Hong Kongs Mischkonzern Swire, zu dem die Cathay Pacific gehört - haben Miami zu einem Schlüsselmarkt ihrer Expansionsstrategie im Westen erkoren.

Der Grund: Als Brücke zwischen Südamerika mit seinen 560 Millionen Einwohnern und den USA - auch als beliebtes Ziel für europäische Touristen - hat die Stadt offenbar viel Zukunft. Miami ist einer der zentralen Warenumschlagplätze in den USA, ein Knotenpunkt im internationalen Tourismus sowie führende Anlaufstelle für den südlichen Teil des amerikanischen Doppelkontinents in Richtung Nafta im Norden.

Mit Wucht schiebt sich nun asiatisches Geld in diesen Markt, um von der künftigen Entwicklung zu profitieren. Genting hat an Miami ganz besonderes Interesse. Die Malaysier besitzen 50 Prozent an der Kreuzfahrtgesellschaft Norwegian Cruise Lines, die im Hafen von Miami operiert. Der Großraum Miami hat 2010 satte 12,6 Millionen Besucher gezählt, die mindestens eine Nacht geblieben sind.

Genting will für 3,8 Milliarden Dollar den hauptsächlich aus einem Kasino und 5200 Hotelzimmern bestehenden Komplex "Resorts World Miami" direkt an der berühmten Biscayne-Bucht errichten. Das Projekt soll der Blickfang in der Skyline der Stadt werden. Das zweite Großprojekt - das "Miami Worldcenter" - wird von einem Joint Venture zwischen der lokalen Immobiliengruppe Falcone im nahe gelegenen Boca Raton und dem Developer Centurion Partners geplant. Die benötigten Genehmigungen des schon 2008 vorgestellten, aber während der Großen Rezession angehaltenen Projekts, liegen vor. Nur die Lizenz für das als Addition erhoffte Kasino werden noch benötigt.

700 Millionen Dollar auf einen Schlag

Die Swire-Gruppe aus Hong Kong - die Ende Juli für 2,4 Milliarden US-Dollar ihren Einkaufskomplex Festival Walk in der Ex-Kolonie an einen Investor aus Singapur verkaufte - will das viele Cash in ihrer Kriegskasse offenbar nicht nur für Projekte in der Volksrepublik China ausgeben. Swire will im Brickell CitiCentre - benannt nach dem gleichnamigen Finanzdistrikt - in der Innenstadt von Miami für 700 Millionen Dollar einen Mischensemble aus Malls, Bürotürmen, Hotels und Wohnhäusern bauen.

Swire ist hier seit den 70er Jahren hier engagiert. Zu seinem existierenden Portfolio gehört das vor elf Jahren eröffnete 5-Sterne-Hotel Mandarin Oriental mit 326 Zimmern. Die endgültige Genehmigung für den neuen Komplex - an dem Swire 75 Prozent halten wird - steht noch aus.

Das regionale Parlament von Florida wird in diesem Monat über drei Kasino-Lizenzen für Investments mit jeweils mindestens zwei Milliarden Dollar entscheiden. Gentings geplantes "Resorts World Miami" - das Vorbilder in Singapur, Manila und New York hat - wäre eines davon. Falls die Ageordneten die drei Lizenzen für Miami absegnen, winken der Region nach Schätzung von Genting 100.000 neue Jobs. Doch nicht alle vor Ort sehen darin einen Segen. Floridas Wähler haben schon drei Mal seit 1978 in Volksabstimmungen gegen die Erteilung solcher Kasino-Lizenzen votiert.

Auch große Unternehmen und Organisationen in der Region sind nicht begeistert von den Plänen, vor allem Ureinwohner, die bereits sieben Kasinos betreiben. Die Handelskammer von Florida, der lokale Restaurant- und Hotelverband sowie Disney World mit seinem Resort in Lake Buena Vista - und Kasinobetreiber bis nach Las Vegas - sind alarmiert. Sie fürchten, dass die Megakasinos in Miami ihnen Kundschaft und Geschäft abziehen könnten.

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