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Kasinos und Mega-Hotels: Wie Investoren aus Fernost Miami neu erschaffen

Megastädtebau Asiatische Milliarden entladen sich in Miami

Miami gilt als brummender Brückenkopf zwischen Südamerika und den USA. Derzeit aber darben der Immobiliensektor und der Jobmarkt. Milliardenprojekte asiatischer Investoren sollen der Stadt nun neues Leben einhauchen: Geplant wird das größte Kasino der westlichen Welt - und mehr.
Von Markus Gärtner

Miami- Am Zipfel von Florida setzt mitten im darniederliegenden US-Immobilienmarkt ein Boom ein, der nicht nur vom wachsenden Tourismus und Handel in der Stadt geprägt wird. Massive Überschüsse asiatischer Konglomerate - wie Malaysias Kasino-Konzern Genting und Hong Kongs Mischkonzern Swire, zu dem die Cathay Pacific gehört - haben Miami zu einem Schlüsselmarkt ihrer Expansionsstrategie im Westen erkoren.

Der Grund: Als Brücke zwischen Südamerika mit seinen 560 Millionen Einwohnern und den USA - auch als beliebtes Ziel für europäische Touristen - hat die Stadt offenbar viel Zukunft. Miami ist einer der zentralen Warenumschlagplätze in den USA, ein Knotenpunkt im internationalen Tourismus sowie führende Anlaufstelle für den südlichen Teil des amerikanischen Doppelkontinents in Richtung Nafta im Norden.

Mit Wucht schiebt sich nun asiatisches Geld in diesen Markt, um von der künftigen Entwicklung zu profitieren. Genting hat an Miami ganz besonderes Interesse. Die Malaysier besitzen 50 Prozent an der Kreuzfahrtgesellschaft Norwegian Cruise Lines, die im Hafen von Miami operiert. Der Großraum Miami hat 2010 satte 12,6 Millionen Besucher gezählt, die mindestens eine Nacht geblieben sind.

Genting will für 3,8 Milliarden Dollar den hauptsächlich aus einem Kasino und 5200 Hotelzimmern bestehenden Komplex "Resorts World Miami" direkt an der berühmten Biscayne-Bucht errichten. Das Projekt soll der Blickfang in der Skyline der Stadt werden. Das zweite Großprojekt - das "Miami Worldcenter" - wird von einem Joint Venture zwischen der lokalen Immobiliengruppe Falcone im nahe gelegenen Boca Raton und dem Developer Centurion Partners geplant. Die benötigten Genehmigungen des schon 2008 vorgestellten, aber während der Großen Rezession angehaltenen Projekts, liegen vor. Nur die Lizenz für das als Addition erhoffte Kasino werden noch benötigt.

700 Millionen Dollar auf einen Schlag

Die Swire-Gruppe aus Hong Kong - die Ende Juli für 2,4 Milliarden US-Dollar ihren Einkaufskomplex Festival Walk in der Ex-Kolonie an einen Investor aus Singapur verkaufte - will das viele Cash in ihrer Kriegskasse offenbar nicht nur für Projekte in der Volksrepublik China ausgeben. Swire will im Brickell CitiCentre - benannt nach dem gleichnamigen Finanzdistrikt - in der Innenstadt von Miami für 700 Millionen Dollar einen Mischensemble aus Malls, Bürotürmen, Hotels und Wohnhäusern bauen.

Swire ist hier seit den 70er Jahren hier engagiert. Zu seinem existierenden Portfolio gehört das vor elf Jahren eröffnete 5-Sterne-Hotel Mandarin Oriental mit 326 Zimmern. Die endgültige Genehmigung für den neuen Komplex - an dem Swire 75 Prozent halten wird - steht noch aus.

Das regionale Parlament von Florida wird in diesem Monat über drei Kasino-Lizenzen für Investments mit jeweils mindestens zwei Milliarden Dollar entscheiden. Gentings geplantes "Resorts World Miami" - das Vorbilder in Singapur, Manila und New York hat - wäre eines davon. Falls die Ageordneten die drei Lizenzen für Miami absegnen, winken der Region nach Schätzung von Genting 100.000 neue Jobs. Doch nicht alle vor Ort sehen darin einen Segen. Floridas Wähler haben schon drei Mal seit 1978 in Volksabstimmungen gegen die Erteilung solcher Kasino-Lizenzen votiert.

Auch große Unternehmen und Organisationen in der Region sind nicht begeistert von den Plänen, vor allem Ureinwohner, die bereits sieben Kasinos betreiben. Die Handelskammer von Florida, der lokale Restaurant- und Hotelverband sowie Disney World mit seinem Resort in Lake Buena Vista - und Kasinobetreiber bis nach Las Vegas - sind alarmiert. Sie fürchten, dass die Megakasinos in Miami ihnen Kundschaft und Geschäft abziehen könnten.

Megakasinos als Quelle sprudelnder Steuereinnahmen

Auch das Konferenzzentrum Miami Beach Convention Center - das mit seinen 60.000 Quadratmetern zu klein für einige Großveranstaltungen ist - fürchtet ums Geschäft. Allein das Resorts World würde 10 Prozent mehr Konferenzfläche bereitstellen, die Developer des Worldcenter haben gar mehr als doppelt so viel Fläche in Aussicht gestellt. Miami Beach überlegt daher, die Fläche seines Konferenzzentrums zu verdoppeln.

Der Stadtmanager, Jorge Gonzalez, hat - um das Investitionskapital von bis zu 650 Millionen Dollar aufzutreiben - mögliche Investoren getroffen. Darunter war auch Kasino-Magnat Steve Wynn aus Las Vegas. Wynn soll angeboten haben, für eine Glücksspiellizenz die gesamten Kosten der Erweiterung des Konferenzentrums Miami Beach zu übernehmen. Doch die Stadtkommission hat dem Kasino-Ansinnen im Dezember eine Abfuhr erteilt.

Im vierten Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise hat sich der lokale Immobilienmarkt so weit bereinigt, dass die Großinvestoren ungeduldig werden. Genting hat noch vor der Abstimmung im Parlament von Florida für fast 500 Millionen Dollar zwei große Areale in besten Lagen der Innenstadt von Miami erworben. Zunächst im vergangenen Frühjahr für 236 Millionen Dollar den zentralen Sitz der Zeitung Miami Herald. Dann, im Herbst, das benachbarte "Omni"-Gelände, auf dem eine alte Mall und eine Parkgarage mit 2700 Plätzen stehen.

Genting will den Mischkomplex auf jeden Fall bauen, nötigenfalls ohne Kasino. Für das Resorts World stellt Genting 30.000 Arbeitsplätze in Aussicht, 5000 wären im Kasino. Es wäre dem Glücksspiel-Komplex ähnlich, den Genting im Oktober an der Aqueduct-Rennbahn im New Yorker Stadtteil Queens eröffnete, mit etwa 5000 Video-Slot-Maschinen, elektronischen Spielen und Baccarat-Tischen.

Hoffnung auf neuen Steuersegen

Für Miami insgesamt, vor allem aber für die beiden Standorte der Kasinos - die Bezirke Miami-Dade und Broward - wären die Großprojekte ein möglicher Konjunkturtreiber, zumindest eine zusätzlich sprudelnde Quelle für Steuereinnahmen. Laut dem Lizenzantrag würden die Einnahmen der neuen Kasinos mit 10 Prozent besteuert. Für den Republikanischen Gouverneur Rick Scott, der Florida im Wahlkampf 700.000 neue Arbeitsplätze in sieben Jahren versprochen hatte, könnte sich die Investitionen gar als Geschenk erweisen. Und der Bundesstaat nimmt gegenüber dem Fiskaljahr 2006 derzeit fast 15 Prozent weniger Steuern ein.

Die Arbeitslosigkeit lag in Florida im Herbst noch bei 10,6 Prozent, deutlich über dem landesweiten Arbeitsmarkt in den USA, wo sie im September noch bei 9,1 Prozent lag; mittlerweile ist sie im Landesschnitt auf 8,5 Prozent gefallen. Schon längst bevor die Entscheidung über die Kasinolizenzen fällt, hat allein die Aussicht darauf dem lokalen Wohnungsmarkt einen neuen Schub verliehen. Im zweiten Quartal 2011, als Genting die Zentrale des Miami Herald kaufte, wurden für Broward und Miami-Dade neue Projektanträge für 16 Kondo-Türme mit insgesamt 3500 Wohnungen gestellt.

Und das zu einer Zeit, in der entlang der Küste der beiden Bezirke 3700 neue Apartments noch unverkauft waren. "Der Süden von Florida profitiert bereits von der Publicity, die sich aus dem Interesse der Kasinogiganten ergibt", sagt der Immobilien-Dienstleister Colliers International. Selbst der Miami Herald beobachtet einen "Südflorida-Optimismus". Doch die Arbeitslosigkeit in der Region bleibt mit 10 Prozent weiter deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Die Zahl der Zwangsversteigerungen ist die zweithöchste in den USA. Und von den 25 städtischen Gebieten mit den meisten Zwangsversteigerungen in den USA sind nach Angaben des Research-Unternehmens Zillow 17 in Florida. "Das größte Problem ist, dass unsere Erholung so schleichend ist", sagt der Chef der staatlichen Arbeitsbehörde in Broward, Mason Jackson.

Florida hievt sich nur mühsam aus der Krise

Die Arbeitslosenrate in Miami-Dade lag zuletzt nach Angaben des Bezirks-Chefvolkswirts Robert Cruz bei 11,5 Prozent. Doch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ging gegenüber dem Vorjahr deutlich um 49 Prozent zurück. Erste Zeichen einer Kehrtwende. Der kombinierte Warenverkehr durch den Hafen und den Miami International Airport ging im Herbst gegenüber dem Vorjahr schon wieder um knapp 20 Prozent nach oben. Am Flughafen wurde zuletzt eine jährliche Zunahme des Besucherverkehrs um 6 Prozent registriert. Die Zimmerpreise in den Hotels liegen laut Cruz schon wieder 10 Prozent über dem Vorjahr.

Laut dem "Home Value Index" von Zillow hat sich die Region Miami im landesweiten Vergleich der USA zuletzt gut behauptet. Im November gingen die Preise auf Jahresbasis um 3,9 Prozent zurück. Weniger als Los Angeles, für das ein Minus von 6,9 Prozent ausgewiesen wird, oder -10,2 Prozent für Chicago. Laut dem Immobilienspezialisten Real Capital Analytics rangiert der Süden Floridas gemessen am Transaktionsvolumen für Einzelhandelsimmobilien in den USA an sechster Stelle, hinter Hochburgen wie New York und Los Angeles. Bei Hotels schafft es Miami an die fünfte Stelle, hinter Los Angeles und San Francisco.

Doch die Erholung bleibt schwierig und zäh. Laut Zillow haben die Hausbesitzer im Süden Floridas kollektiv im vergangenen Jahr 6,5 Milliarden Dollar an Wert eingebüßt. Das war aber nur noch ein Viertel vom Verlust des Vorjahres. In diese Bodenbildung des Marktes hinein kommen die großen Investitionen.

Genting hat eine äußerst aufwändige Kampagne gestartet, um seine Investitionspläne zu flankieren. Das Unternehmen hat 23 Lobbyfirmen eingeschaltet, die hinter den Kulissen im Parlament den Boden für die erwünschten Lizenzen bereiten sollen. Das Unternehmen hat auch angeboten, sich an den Kosten für die Renovierung der Schnellstraße zu beteiligen, die an seinem Areal vorbeiläuft.

Einem benachbarten Theater hat Genting die Entwicklung einer gemeinsamen Show angeboten, die dauerhaft aufgeführt werden soll und durch eine garantierte Abnahme von Tickets mitfinanziert würde. Laut Theater-Chef Mike Eidson würde Genting auch eine neue Parkgarage für die Theaterbesucher bauen. Mit 3,4 Milliarden Dollar Gewinn allein im Jahr 2010 ist das malaysische Unternehmen bestens für neue Großprojekte aufgestellt.

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