Donnerstag, 19. September 2019

Kreditrating Fitch sieht Frankreichs Topbonität nicht in Gefahr

Paris: Frankreich muss nicht um sein Spitzenrating bangen - vorerst

Frankreich muss trotz stagnierender Wirtschaft vorerst nicht den Entzug seiner Spitzenbonität durch die Ratingagentur Fitch fürchten. Entsprechend äußerte sich der für Europa zuständige Fitch-Manager Ed Parker. Anleger reagieren erleichtert.

Paris - "Eine Herabstufung in diesem Jahr ist nicht zu erwarten, falls es nicht zu einer markanten Verschlechterung in der Euro-Zone kommen sollte", sagte der für Europa zuständige Fitch-Manager Ed Parker am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Einer Umfrage der französische Zentralbank zufolge ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2011 nicht mehr gewachsen.

Frankreich musste jüngst Investoren zunehmend höhere Zinsen für seine Staatsanleihen bieten. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone leidet unter dem Konjunkturabschwung und dem großen Engagement seiner Banken in den hoch verschuldeten Krisenländern.

Zudem ist das Land im internationalen Standortwettbewerb zurückgefallen: Im Rahmen einer Reform will Präsident Nicolas Sarkozy die Sozialkosten für Firmen senken, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Die Finanzierung soll über Steuern sicher gestellt werden. Sarkozy, der sich im Frühjahr zur Wiederwahl stellt, will die Reform noch vor April auf den Weg bringen.

Angesichts der wirtschaftlichen Probleme des Landes hatte Fitch den Ausblick für die Bonitätsbewertung auf negativ gesetzt, womit eine Herabstufung binnen zwei Jahren verbunden sein kann.

Top-Bonität Deutschlands sicher, Italien muss zittern

Parker versicherte, dass die Top-Bonität Deutschlands sicher sei. Das ins Visier der Märkte geratene Italien muss hingegen fürchten, bald herabgestuft zu werden. Fitch hat das klamme Euro-Land gemeinsam mit Belgien, Spanien, Slowenien, Irland und Zypern bereits auf eine negative Beobachtungsliste gesetzt.

Alle diese Länder verfügen über keine Spitzenbonität und müssen nun bis März darauf gefasst sein, dass Fitch ihre Kreditwürdigkeit weiter herunterstuft. Laut Parker könnte es beispielsweise für Italien und Spanien um "ein bis zwei Stufen" nach unten gehen.

Wie ein Damokles-Schwert hängt derzeit zudem die Aussicht auf eine Massenherabstufung durch die Rating-Agentur S&P über allen Ländern der Euro-Zone - Deutschland inklusive. Die einflussreiche Agentur hatte Anfang Dezember den Ausblick für das Rating der 15 Euro-Länder auf "negativ" gesetzt und damit eine Herabstufung binnen drei Monaten vorbereitet. Eine Entscheidung wird bereits in diesem Monat erwartet.

Sollte es dazu kommen, würden mit Deutschland und Frankreich die beiden größten Volkswirtschaften der Währungsunion ihre Bestnote "AAA" verlieren. Das könnte für die betroffenen Länder höhere Finanzierungskosten in Form steigender Zinsen nach sich ziehen. Eine solche Herabstufung käme für die Euro-Länder zur Unzeit, da sie ihre Währungsunion mit einem Fiskalpakt stärken wollen.

Fitch hatte zuletzt die Bonität Ungarns auf Ramschstatus gesetzt und dabei keine Rücksicht auf die laufenden Bemühungen des osteuropäischen Landes um Notkredite von IWF und EU genommen. Fitch-Manager Parker erklärte nun, die Spitzenbonität Österreichs sei trotz der Finanzprobleme des Nachbarlandes nicht "in akuter Gefahr". Zwar sei das Engagement von Banken der Alpenrepublik in Ungarn ein Grund zur Sorge. "Doch ein Großteil des Engagements liegt in stabileren und wirtschaftlich besser dastehenden Staaten Osteuropas wie Tschechien, Slowakei und Polen", sagte Parker.

la/reuters

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