Sonntag, 25. August 2019

Alternative Finanzarchitektur Asien untergräbt die Macht von Dollar und Euro

Wettlauf der Währungen: Die Leitwährung US-Dollar dürfte noch mehr Konkurrenz bekommen, wenn China seine Finanzmärkte für ausländische Teilnehmer öffnet

Europa und die USA kämpfen gegen den Schuldenstrudel, dem atlantischen Finanzsystem droht deshalb eine chronische Belastungsprobe. Eilig bauen führende Länder entlang des Pazifiks eine alternative Finanzarchitektur auf: Dollar und Euro werden dort nur noch Nebenrollen spielen.

Vancouver - In Europa und Nordamerika wird zu Beginn des neuen Jahres eine große Zukunft beschworen. Finanzexperten im Wirtschaftssender CNBC sagen den USA ein blühendes Jahrzehnt vorher - dank einer Renaissance des verarbeitenden Gewerbes und dank sinkender Abhängigkeit von Energieimporten.

In Europa sieht derweil EZB-Ratsmitglied Christian Noyer den Euro binnen zehn Jahren zur globalen Leitwährung aufsteigen. Voraussetzung sei freilich, dass die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 9. Dezember eingehalten werden. Barack Obama schließlich hat vor Weihnachten neun Tage lang Hawaii, Australien und Indonesien besucht. Er will die USA wieder als Führungsmacht in den Staaten entlang des Pazifiks verankern.

In dieser Region verliert Amerika seit Jahren in einem Land nach dem anderen den Status als größter Handelspartner. Eine Position, die immer öfter China übernimmt.

Das Werben Obamas um die Anrainer des Pazifiks hat gute Gründe. Dort wird die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet. Der US-Präsident hat aber auch noch anderes im Sinn. Das Schuldendrama und die Dümpelkonjunktur in Europa durchkreuzen seine Pläne, bis 2015 die US-Exporte zu verdoppeln. Auf die Europäer ist bei diesem Kraftakt kein Verlass.

"Europa liegt auf dem Bauch, und Asien rollt wie ein Schneeball den Hügel runter", sagt Ernest Bower. Er ist Direktor des Südostasienprogramms beim Center for Strategic and International Studies. Bowers Analyse trifft im Augenblick freilich nur bedingt zu.

Asien bereitet sich auf den nächsten Boom vor

Denn selbst Asiens Boomstaaten beginnen, unter der Dauerkrise im Euro-Land zu leiden. Singapur meldete in dieser Woche einen annualisierten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 4,9 Prozent im vierten Quartal 2011 gegenüber dem Vorquartal. Hongkong wird von Analysten bei der Standard Chartered Bank ebenfalls ein Schrumpfen des BIP für das Schlussquartal 2011 in Aussicht gestellt.

Doch Asien bereitet sich schon auf den nächsten Boom vor. Europa und Amerika spielen darin nicht mehr die Hauptrolle. Rund um den Pazifik beginnt in Windeseile der Aufbau einer neuen Währungs- und Finanzarchitektur. Der Dollar und der Euro werden darin nur noch zwei Währungen von vielen sein.

Einen der nötigen Schritte beim Umbau der gegenseitigen Strukturen haben Japan und China über Weihnachten gelegt. Japans Premier Yoshihiko Noda vereinbarte mit Chinas Führung, künftig den Warenaustausch zwischen den beiden Volkswirtschaften direkt in Yen und Renminbi abzurechnen, ohne die Währungen der zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften vorher in Dollar zu konvertieren.

Es geht um maximal 340 Milliarden Dollar Handelsvolumen. So umfangreich war der Warenaustausch zwischen beiden Ländern 2010. Er hat sich binnen eines Jahrzehnts verdreifacht. Rund 60 Prozent im bilateralen Handel werden bisher durch einen vorherigen Zwischenschritt in den Greenback abgewickelt.

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