Europa in der Schuldenfalle China will bald höhere Zinsen sehen

Rund 7,8 Billionen Euro Staatsschulden stehen in der Euro-Zone zur Bedienung an. Eine Abstufung verteuert die Kreditkosten, Investoren wie China dürften bald höhere Zinsen von den Europäern verlangen. Anleger sollten daher eher in Unternehmensbonds und nicht in Staatsanleihen investieren.
EFSF-Chef Klaus Regling auf Werbetour in China: Bei steigender Inflation müssen die Europäer bald deutlich mehr Zinsen bieten, wenn sie Geld aus Fernost bekommen wollen

EFSF-Chef Klaus Regling auf Werbetour in China: Bei steigender Inflation müssen die Europäer bald deutlich mehr Zinsen bieten, wenn sie Geld aus Fernost bekommen wollen

Foto: Ng Han Guan/ AP

Zu früh gefreut! Vor 22 Jahren erhielt Europa das Geschenk der Befreiung vom Kommunismus. Von Estland bis Albanien fielen Wachtürme, Mauer und Stacheldraht. Das größte Gefängnis der Weltgeschichte wurde aufgelöst und an die 100 Millionen Menschen konnten ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Viele Staaten haben sich dabei neu organisiert; viele haben den Weg in die NATO, die EU und einige sogar in die Euro-Zone genommen.

Der Staatsbankrott Russlands im Sommer 1991 aus Mangel an Devisen besiegelte dann endgültig das Ende der alten Sowjetunion und des Kommunismus in Europa. Im Laufe dieser 22 Jahre sind vor allem im Osten Europas gewaltige Aufbauleistungen vollbracht worden, was zusammen mit dem freien Welthandel auch in den Ländern Westeuropas erheblichen Wohlstand neu geschaffen hat.

Statt sich der neugewonnenen Freiheit zu erfreuen und Disziplin bei den öffentlichen Finanzen zu üben - zum Beispiel die Staatsschulden unter anderem durch Einsparungen bei den Verteidigungsausgaben zu reduzieren - haben die Regierungen der Euro-Zone immer mehr Geld ausgegeben und auf Kosten und zu Lasten künftiger Generationen die Schulden stark erhöht.

Nur Schweden hat die Zeit der hohen wirtschaftlichen Prosperität genutzt und seine Staatsverschuldung deutlich reduziert. Ebenso hat die Schweiz der Versuchung widerstanden, die Staatsverschuldung auszuweiten und steht daher heute recht solide da. Doch der Rest der Euro-Zone? Der Schuldenberg ist enorm gewachsen, inzwischen droht eine Abstufung der gesamten Euro-Zone, und die Kreditkosten werden steigen.

China dürfte schon bald höhere Zinsen von Europa verlangen

Anstatt dem Beispiel Schwedens zu folgen, haben die meisten europäischen Länder munter weiter Schulden gemacht. Die Länder der Währungsunion haben sich damit übernommen. Im Herbst 2011 stehen insgesamt 7,8 Billionen Euro Staatsschulden in der Euro-Zone zur Bedienung und Zurückführung an. Damit ist die Grenze der Verschuldung erreicht.

Nun müssen sie einen Sonderfond zur angeblichen Rettung schwach gewordener Mitglieder auf die Beine stellen. Dessen Chef hat sich vor kurzem in das immer noch kommunistische China begeben, um die Funktionsweise des neuen Fonds zu "erläutern". Statt diesen neutralen Begriffes kann man auch viele andere vielleicht weniger schmeichelhafte Ausdrücke für den Zweck dieser Reise finden.

So hat sich Europa also zu früh gefreut. Nach der Freude über das Ende des Kommunismus in Europa könnte nach unserer Einschätzung knapp zwei Jahrzehnte später eine neue Abhängigkeit vom chinesischen Kommunismus entstehen. Falls nämlich Europa sich nicht mehr aus eigener Kraft finanzieren kann, sondern dazu chinesische Hilfe braucht, hat die letzte verbliebene kommunistische Großmacht erhebliche Druckmittel in der Hand.

Es ist naiv anzunehmen, dass die Machthaber in Peking auf lange Zeit europäisches Papier mit Laufzeiten von 10 Jahren mit Zinssätzen von etwa 2 - 3,5 Prozent akzeptieren werden. Der historische Durchschnitt von Staatsanleihen in USA und anderen Ländern mit einer langen Geschichte als Emittenten liegt bei einer Realverzinsung von ungefähr 3,5 Prozent.

Addiert man dazu die Inflationsrate von ungefähr 2 Prozent kommt man auf ein Zinsniveau von etwa 5,5 Prozent.

In Unternehmensbonds statt in Staatsanleihen investieren

Das Risiko für Europa besteht also nach unserer Meinung darin, dass sich die Zinskosten des neuen Fonds bei sinkendem chinesischen Wohlwollen im Lauf der Zeit und etwas höherer Inflation gelegentlich bei mehr als dem doppelten des jetzigen Betrages liegen könnten.

Aus unserer Sicht ist der weitsichtige Investor gut beraten, nicht das Risiko eines Kursverfalls bei langlaufenden Staatsanleihen einzugehen. Wer europäische Staatsanleihen halten möchte, sollte nach Möglichkeit die Laufzeiten stark verkürzen.

Wer nicht auf Staatsanleihen angewiesen ist, findet Industrieanleihen erstklassiger europäischer und sehr bekannter Emittenten mit einer laufenden Verzinsung von etwa 4 - 5 Prozent und Laufzeiten zwischen 3 und 7 Jahren.

Meistens sind die Emissionen nicht sehr groß und es ist deshalb einiger Aufwand für die Suche nach dem für die individuellen Bedürfnisse passenden Papier erforderlich. Nach unserer Meinung dürfte der Anleiheinvestor mit dieser Anlagestrategie noch wesentlich ruhiger schlafen als mit langlaufenden Staatsanleihen aus Europa.