Weltfinanzkrise Chinesen fürchten Exportrückgang

Die europäische Schuldenkrise wird zu einem wachsenden Problem für China: Die Volksrepublik sorgt sich um ihre Exporte - und kündigt Gegenmaßnahmen an. Sie will die Steuern auf Ausfuhren senken.
Containerhafen von Shanghai: Vor allem kleine Firmen sollen gestützt werden

Containerhafen von Shanghai: Vor allem kleine Firmen sollen gestützt werden

Foto: ALY SONG/ REUTERS

Peking - Schwere Zeiten für den Exportweltmeister: Die chinesische Führung fürchtet angesichts der Schuldenkrisen in Europa und in den USA um die Geschäfte der Volksrepublik - und damit um das Wachstum des Landes im kommenden Jahr. Vizeregierungschef Wang Qishan forderte die Unternehmen des Landes auf, trotz nachlassender Nachfrage aus dem Ausland den Export anzukurbeln, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntagabend meldete. Die Firmen müssten ihre Produkte wettbewerbsfähiger machen, sagte Wang. Die Regierung werde ihre Steuern auf Exporte senken und vor allem kleinen Firmen finanziell unter die Arme greifen, versprach er.

Die Wirtschaft der Volksrepublik war in der Krise bislang ein Stabilitätsanker. Selbst nach dem großen Finanzschock im Herbst 2009 knickte sie nur minimal ein - und stützte den weltweiten Aufschwung danach wieder. Doch mittlerweile verdichten sich die Anzeichen, dass Chinas Wirtschaft die Rolle des Weltenretters nicht mehr uneingeschränkt ausfüllen kann. So waren die chinesischen Exporte im Oktober zwar im Jahresvergleich um knapp 16 Prozent auf rund 157,5 Milliarden Dollar (117,5 Milliarden Euro) gestiegen. Im Vergleich zum September allerdings schrumpften sie. Damals hatten die chinesischen Firmen knapp 170 Milliarden Dollar mit Exporten eingenommen.

Im November war zudem erstmals seit mehr als zweieinhalb Jahren die Produktion der Industrie gesunken. Dies gibt Anlass zur Sorge, das Wirtschaftswachstum könne sich deutlich verlangsamen.

Handelsminister Chen Deming warnte am Wochenende bereits, "unter dem Einfluss eines schrumpfenden Weltmarktes könnte sich Chinas Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr abschwächen". Im ersten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) amtlichen Angaben zufolge um 9,7 Prozent gewachsen, im zweiten Quartal um 9,5 Prozent und im dritten um 9,1 Prozent.

yes/afp
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