Prämien für Italien steigen Euro-Schuldenkrise verschärft sich

In der europäischen Schuldenkrise ist kein Ausweg in Sicht. Investoren fliehen aus italienischen Staatsanleihen, auch der Kurs der Gemeinschaftswährung fällt weiter. Die EZB möchte kein Retter in der Not sein - und Investoren sind vom Ausgang des Straßburger Mini-Gipfels enttäuscht.
Merkel, Sarkozy, Italiens neuer Premier Mario Monti: Investoren bleiben auch nach dem Straßburger Mini-Gipfel misstrauisch

Merkel, Sarkozy, Italiens neuer Premier Mario Monti: Investoren bleiben auch nach dem Straßburger Mini-Gipfel misstrauisch

Foto: POOL/ REUTERS

Frankfurt/Rom - Die Euro-Schuldenkrise hat sich zum Ende einer Woche mit schlechten Nachrichten weiter verschärft. Immer mehr Anleger meiden italienische Staatspapiere. Auch der Kurs des Euro, der in den vergangenen Wochen der Krise getrotzt hatte, gab deutlich nach. Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) lehnten erneut ab, dass die Notenbank massiv Staatsanleihen von Krisenländern aufkauft, um deren Kurse zu stützen. Aus der EU-Kommission hagelte es Kritik an Deutschland zögerlicher Rolle bei der Euro-Rettung.

Die Märkte zeigten sich vom "Mini-Gipfel" mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und dem italienischen Regierungschef Mario Monti am Vortag enttäuscht, hieß es. Merkel hatte die Hoffnungen auf Eurobonds und einen erweiterten Kriseneinsatz der EZB gedämpft.

Nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Luc Coene wäre es keine Lösung, dass die Notenbank in großem Stil Staatsanleihen der Schuldenländer kauft. "Wenn man einmal damit beginnt, muss man es aufrechterhalten, und das ist nicht vertretbar", sagte der Chef der belgischen Notenbank laut einem Bericht der belgischen Tageszeitung "De Tijd" (Freitag). EZB-Direktoriumsmitglied José Manuel González-Páramo bekräftigte am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung der Universität Oxford: "Die EZB ist kein Kreditgeber der letzten Instanz für Staaten."

Die Länder der Eurozone könnten nicht erwarten, dass die EZB ihre Defizite finanziere, betonte der Spanier González-Páramo. Sollte die aktuelle Entwicklung anhalten, sei eine zusätzliche Zinssenkung wahrscheinlich, sagte Coene. Zuletzt hatte die EZB den Leitzins im Euroraum Anfang November von 1,5 Prozent auf 1,25 Prozent gesenkt.

Rendite von Italiens Anleihe klettert auf knapp 8 Prozent

Um dem Euro-Schwergewicht Italien kurzfristig Geld zu leihen, verlangen Investoren mehr Geld als jemals zuvor seit Einführung des Euro. Am Freitag kletterte die Rendite für Zweijahrespapiere der drittgrößten Volkswirtschaft im Währungsraum im Tagesverlauf auf ein Hoch von 7,77 Prozent.

Auch deutsche Staatstitel, die zuletzt noch als "sicherer Hafen" galten, standen nach der schwachen Nachfrage bei einer Neuemission am Mittwoch weiter unter Druck. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 2,235 Prozent.

Der Euro-Kurs und der deutsche Aktienindex Dax rutschten zwischenzeitlich auf die niedrigsten Stände seit Anfang Oktober. Im Mittagshandel fiel die Gemeinschaftswährung auf ein Tagestief bei 1,3233 US-Dollar. Im Verlauf der Woche musste der Euro damit unter dem Strich etwa drei Cent abgeben.

Kritik an Deutschlands Haltung wird lauter

Die Vize-Chefin der EU-Kommission, Viviane Reding, kritisierte Deutschlands zögerliche Haltung in der Krise. Mit Blick auf die Ablehnung gemeinsamer Staatsanleihen der Euro-Länder sagte Reding dem Saarländischen Rundfunk: "Ich sehe immer wieder, dass Deutschland als Reaktion immer ein Nein hat, und dann fängt man erst mit der Diskussion an." Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte am Mittwoch erste Pläne für sogenannte Eurobonds vorgestellt.

Vier von fünf Deutschen halten nichts von einer Einführung der Eurobonds, die die Zinslast für Deutschland erhöhen, für die Krisenstaaten jedoch senken würden. In einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF-Politbarometers sprachen sich 79 Prozent der Befragten dagegen aus. Auch Kanzlerin Merkel lehnt die Gemeinschaftsanleihen ab. Die Rückendeckung für die Kanzlerin nimmt zu: Während 45 Prozent der Deutschen Anfang Oktober meinten, Merkel mache einen guten Job bei der Krisenbewältigung, sagen dies inzwischen 63 Prozent.

"Deutschland ist ganz sicher ein sehr wichtiger Mitgliedsstaat, hat eine fundamentale Rolle, entscheidet aber nicht allein", betonte ähnlich wie Reding EU-Währungskommissar Olli Rehn am Freitag bei einer Anhörung im Abgeordnetenhaus in Rom, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Rehn war für Gespräche unter anderem mit dem neuen Regierungschef Monti nach Italien gereist. Die EU-Kommission überwacht die römischen Maßnahmen gegen die hohe Verschuldung und für mehr Wachstum. Man wolle den ersten Bericht dazu am kommenden Dienstag vorlegen, sagte Rehn.

Die ungarische Regierung hat unterdessen die Abstufung der Kreditwürdigkeit des Landes durch die Ratingagentur Moody's als "spekulativen Angriff" bezeichnet, zumal sich die Haushalts- und Konjunkturdaten günstig entwickelt hätten. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban berief eine Krisensitzung mit Wirtschaftsexperten ein. Ungarn ist Mitglied der EU, nicht jedoch der Eurozone. Erst vergangene Woche hatte das osteuropäiche Land den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU angesichts drohender Abstufung durch die Rating-Agenturen um Hilfe gebeten.

la/dpa

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