Donnerstag, 21. November 2019

Dax-Geflüster Euro-Bonds ohne Bumms

Der Markt muss derzeit viel einstecken: Ob mit Eurobonds der Befreiungsschlag gelingt, ist zweifelhaft

Die Euro-Krise lähmt die Börse, Forderungen nach Euro-Bonds werden lauter, der Unmut über die Deutschen wächst. Wird sich der Dax erholen, sobald Kanzlerin Merkel ihren Widerstand aufgibt? Börsianer zweifeln daran - denn gemeinsame europäische Anleihen lösen keine Probleme. Sie übertragen nur die Schmerzen.

Hamburg - Klatsche für Deutschland: Nicht nur der deutsche Aktienindex Dax Börsen-Chart zeigen hat in dieser Woche die zweitlängste Verlustphase seiner Geschichte hingelegt. Auch die Finanzagentur des Bundes bekommt die Skepsis der Anleger zu spüren. Bei der jüngsten Ausgabe neuer Anleihen in dieser Woche gelang es der Finanzagentur nicht, die einst als "Hort der Sicherheit" hochgelobten Bundesanleihen vollständig an den Mann zu bringen: Die Nachfrage blieb mit 3,8 Milliarden Euro deutlich hinter dem Angebot von 6 Milliarden Euro zurück.

"Schauen Sie auf das Marktumfeld, es ist hoch volatil, die Marktteilnehmer sind äußerst nervös", sagt ein Sprecher der Finanzagentur auf Nachfrage. Im Ausland blieb der Spott nicht aus: "Nun bekommen die Deutschen die europäische Schuldenkrise am eigenen Leib zu spüren", schrieb die spanische Zeitung "El Mundo".

Statt für Bundesanleihen entscheiden sich Investoren derzeit für andere Investments: Sie greifen nach T-Bonds, den amerikanischen Staatsanleihen, und nach Gold.

US-Staatsanleihen erscheinen vielen Investoren derzeit attraktiv, "weil sie diversifizierende Eigenschaften zu haben scheinen", sagt Johanna Kyrklund, die bei der Fondsgesellschaft Schroders für Multi-Asset-Management zuständig ist. Das bedeutet: Nur raus aus der Euro-Zone. gefragt sind Alternativen zur Gemeinschaftswährung.

Kyrklund rät angesichts der sich verschärfenden Schuldenkrise grundsätzlich zu einer defensiven Ausrichtung. Dass so eine Einschätzung von einer angelsächsischen Firma kommt, die zu grundsätzlichem Wohlwollen den Aktienmärkten gegenüber neigen, zeigt deutlich, wie komplex die Lage inzwischen geworden ist. Und wie wenig die Politik die Diskussion noch führt. Denn immer mehr Vorschläge aus Brüssel irrlichtern durch die Handelsräume und weben ein Gespinst, hinter dem die wahre wirtschaftliche Lage kaum mehr zu erkennen ist.

Vertrauensverlust ist Gift für die Aktienmärkte

Doch wie lässt sich das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen? Euro-Bonds sind so ein Hoffnungsträger. Euro-Bonds, oder "Stability-Bonds", wie sie Kommissionspräsident Präsident José Manuel Barroso jüngst nannte. Sie würden bedeuten, dass Deutschland künftig mit höheren Zinsen leben muss, während Länder wie Italien oder Griechenland sich günstiger verschulden können. Keine gute Nachricht für den deutschen Haushalt, Kanzlerin Angela Merkel ist strikt dagegen. Und für die Börse?

Für die Börse wären Euro-Bonds oder verstärkte Anleihenkäufe durch die EZB zunächst einmal eine gute Nachricht. Anleger warten schließlich noch immer auf überzeugende Antworten, wie der Schuldenkrise beizukommen ist: Der Dax Börsen-Chart zeigen hat eine Verlustserie von neun Tagen hinter sich und hat in dieser Zeit mehr als 12 Prozent an Wert verloren. Investoren erwarten eine politische Einigung: Deswegen rufen sie europaweit nach Eurobonds & Co.

"Derzeit ist die Stabilisierung des 'Patienten' Europa am dringendsten geboten", schreibt zum Beispiel ING Investment Management. "Das bedeutet, dass zuerst die Liquiditätsprobleme bewältigt und zeitgleich stringente Maßnahmen zur Solvenzsicherung umgesetzt werden müssen." Doch dabei muss es nicht bleiben.

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