Mittwoch, 23. Oktober 2019

Abstufung Fitch stuft Portugals Bonität auf Ramschniveau

Proteste gegen die Finanzszene in Portugal: Ratingagentur Fitch reagiert unbeeindruckt mit nächster Bonitätsherabstufung

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Euro-Landes Portugal auf Ramsch-Niveau gesenkt. Damit ist Standard & Poor's die letzte der großen Agenturen, die portugiesische Staatsanleihen noch nicht als Ramsch bewertet.

London - Die Bonität Portugals sank um eine Note von "BBB-" auf "BB+", wie die Agentur am Donnerstag mitteilte. Der Ausblick für das Rating ist negativ, was eine weitere Herabstufung in der mittleren Frist möglich macht. Damit ist Standard & Poor's (S&P) die letzte der großen Agenturen, die portugiesische Staatsanleihen noch nicht als Ramsch bewertet.

Die dritte große Agentur Moody's hatte die Bonität Portugals bereits im Sommer in den Ramsch-Bereich gesenkt, mit dem riskante Anlagen gekennzeichnet werden.

Fitch begründet die jüngste Herabstufung mit der hohen Staatsverschuldung Portugals, die bis Ende 2011 auf rund 110 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen dürfte. Zudem verweist die Agentur auf hohe Wachstumsrisiken. Fitch erwartet, dass die portugiesische Wirtschaft im kommenden Jahr um drei Prozent schrumpfen wird. Angestoßene Reformen dürften sich nur langfristig auswirken. Indes dürfte die angestrebt Konsolidierung der Staatsfinanzen durch die Wachstumsrisiken erschwert werden.

Portugal hat sich wie Irland schon vor langer Zeit unter den europäischen Rettungsschirm EFSF gerettet. Der jüngste Schritt von Fitch hat damit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Kassenlage Portugals. Da das Land Hilfsgelder erhält, ist es zurzeit nicht am Kapitalmarkt aktiv.

Portugiesische Arbeiter und Angestellte sind am Donnerstag in einen Generalstreik gegen den Sparkurs der Regierung getreten. Flugzeuge blieben am Boden, Züge fuhren nicht mehr aus den Bahnhöfen und der öffentliche Nahverkehr wurde teils lahmgelegt. Die elf Millionen Einwohner des schuldengeplagten Landes protestierten mit der Arbeitsniederlegung gegen steigende Arbeitslosigkeit, Steuererhöhungen und Gehaltskürzungen, die im Rahmen der Hilfen aus dem Rettungsschirm auf den Weg gebracht wurden. "Der Streik ist global, der Angriff ist global", skandierten Demonstranten auf dem Lissaboner Flughafen, auf dem keine internationalen Flüge mehr abgefertigt wurden.

la/dpa

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