Montag, 23. September 2019

Konjunktur China verstärkt Sorgen um Weltwirtschaft

Hafen in Singapur: Die Konjunktur in China wird sich laut HSBC in den nächsten Monaten weiter abkühlen

Chinas Industrie schrumpft und verstärkt damit die Furcht vor einer markanten Abkühlung der Weltwirtschaft. Der Einkaufsmanagerindex für das Reich der Mitte ist im November auf den niedrigsten Wert seit März 2009 gefallen. Ohne die Wachstumslokomotive sieht es für die globale Konjunktur düster aus.

Peking - Im November schrumpften die Geschäfte in China so stark wie seit März 2009 nicht mehr, wie aus dem Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC am Mittwoch hervorging. Das Barometer fiel auf 48 Punkte und damit unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Bereits im September war der Bereich knapp unter diese Marke gefallen, bevor er sich im Oktober wieder berappelte.

Die Daten verstärkten die Furcht vor einer deutlichen Eintrübung der Weltkonjunktur, die China mit zweistelligen Wachstumsraten seit Jahren angeschoben hat.

Die Aktienmärkte reagierten mit Kursverlusten. Der Frankfurter Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen fiel den achten Handelstag in Folge.. Neben der Euro-Krise treibt die Anleger nun auch die Sorge um, dass der chinesische Wachstumsmotor ins Stottern geraten könnte: "Das ist noch keine Katastrophe, aber es schürt natürlich die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft - schließlich ist China der einzige Rettungsanker, den wir noch haben", sagte ein Börsianer.

Und das Wachstum der chinesischen Industrie werde sich in den nächsten Monaten weiter verlangsamen, warnte HSBC-Experte Qu Hongbin. Im Jahresvergleich werde das Plus nur noch bei elf bis zwölf Prozent liegen. Grund sei nachlassende Nachfrage sowohl in China selbst als auch im Ausland.

"Das Schlimmste kommt noch"

Fachleute warnen vor einem Abwärtstrend. "Das Schlimmste kommt noch", sagt Conita Hung von Delta Asia Financial Group. Wahrscheinlich würden neben Exportfirmen auch Unternehmen aus dem Banken- und Finanzsektor bald mehr Gegenwind spüren. Die Führung in Peking könnte jedoch mit neuen fiskalischen Impulsen oder gar einer Verringerung der Mindestreserveanforderungen für Banken gegensteuern.

Im Kampf gegen eine Überhitzung der Wirtschaft und eine anziehende Inflation hatte China die Banken dazu gezwungen, mehr Geld zu hinterlegen. Nun könnte sie die Anforderungen wieder herunterschrauben und damit dafür sorgen, dass beispielsweise mehr Geld für Investitionen bereitsteht. China stellt sich allerdings darauf ein, dass die Wirtschaft nicht mehr die zweistelligen Jahreswachstumsraten erreichen, die den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg der Volksrepublik im vergangenen Jahrzehnt befeuerten.

Die Weltbank sagt China für 2011 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 9 Prozent voraus. Im kommenden Jahr soll es mit 8,4 Prozent noch etwas niedriger ausfallen. Experten setzen darauf, dass die Regierung in Peking einen jähen Absturz der Wirtschaft auf jeden Fall verhindern wird: "Eine harte Landung wird es wahrscheinlich nicht geben", sagte Experte Tony Tong von der Everbright Group in Hongkong.

la/reuters

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