Kreditblase in Fernost IWF bangt um Chinas Banken

Der Euro ist bedroht, Amerika kämpft mit Billionenschulden, und auch China steht trotz Konjunkturbooms vor großen Herausforderungen: Laut einer IWF-Analyse droht der angehenden Supermacht eine Kreditblase, auf die viele Banken nicht vorbereitet wären.
Hongkong-Skyline: Gefahr von Vermögensblasen

Hongkong-Skyline: Gefahr von Vermögensblasen

Foto: Alex Hofford/ dpa

Peking - Der 130-Seiten-Report beginnt mit einem Lob, doch dann folgen viele Warnungen: Prinzipiell habe China große Fortschritte gemacht, heißt es in dem Gutachten zur Lage des Finanzsektors der aufstrebenden Supermacht, das der Internationale Währungsfonds ( IWF) am Dienstag veröffentlicht hat. Dennoch gebe es wachsende Risiken für das chinesische Bankensystem.

Im Kern gibt es laut IWF vier Probleme:

  • Die Kreditvergabe sei zuletzt stark ausgeweitet worden. Der Boom habe dazu geführt, dass viele Banken große Risiken in ihren Büchern haben.
  • Auch außerhalb des Bankensektors gebe es einen wahren Kreditboom - teilweise werden Darlehen dort zu Wucherzinsen von 100 Prozent oder mehr vergeben.
  • Die Immobilienpreise schießen in die Höhe.
  • Chinas aktuelle Strategie für wirtschaftliches Wachstum verstärke gesellschaftliche Ungleichheiten.

Das alles bedroht nach Angaben des IWF Chinas Bankensektor. Der Fonds fordert die Regierung daher auf, sein Finanzsystem rasch zu stabilisieren. Zwar drohe keine unmittelbare Krise. Zwar seien Geschäftsbanken gegen Schocks auf den Kredit-, Immobilien- und Devisenmärkten prinzipiell gewappnet, nicht aber für den Fall, dass mehrere dieser Faktoren gleichzeitig eintreten. Es gebe wachsende systemische Risiken, die es zu bekämpfen gelte, heißt es in der IWF-Expertise.

Nötig sei eine Liberalisierung der Finanzmärkte. Investoren, Geschäftsbanken und Zentralbank müssten unabhängiger von der Regierung werden und die Wirtschaft insgesamt unabhängiger von Exporten; dazu soll die Binnennachfrage angekurbelt werden. Insgesamt listet der Bericht 29 Empfehlungen auf. Sie basieren auf einem Stresstest für 17 chinesische Banken, der in Zusammenarbeit mit Zentralbank und Aufsichtsbehörde entstand.

Chinas Wirtschaftswachstum hatte sich zuletzt etwas abgekühlt. Im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt noch um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wenige Monate zuvor waren Wachstumsraten von mehr als 10 Prozent die Norm. Das etwas geringere Plus ist politisch durchaus gewollt. Denn zu viel Wachstum ist nicht gesund; es droht eine Überhitzung der Wirtschaft, und vor allem erreicht die Inflation - also der Anstieg der Verbraucherpreise - ein ungesund hohes Niveau. Besonders Lebensmittel werden rasch teurer. Das trifft vor allem arme Familien, die mittlerweile bis zur Hälfte ihres Einkommens für Nahrung ausgeben müssen. Dem Land drohen soziale Unruhen.

Um dem Inflationstrend entgegenzuwirken, hat Peking zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Unter anderem wurden die Zinsen erhöht, was dazu führt, dass sich Unternehmen und Banken weniger Geld leihen. Die Führung strebt bis 2015 ein durchschnittliches Wachstum von 7 Prozent jährlich an. China zählt mittlerweile zu einem der wichtigsten Handelspartner Deutschlands .

ssu/dapd/rtr
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