G20-Gipfel IWF wird zur Finanzfeuerwehr

Beim G20-Gipfel in Cannes dreht sich auch am letzten Tag fast alles um die europäische Schuldenkrise. Die Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer setzen dabei vor allem auf den IWF, der als weltweite Finanzfeuerwehr mehr Geld für Krisenstaaten bereitstellen soll.
IWF-Chefin Christine Lagarde: Der IWF soll künftig kurzfristige Liquiditätskredite ausgeben

IWF-Chefin Christine Lagarde: Der IWF soll künftig kurzfristige Liquiditätskredite ausgeben

Foto: LIONEL BONAVENTURE/ AFP

Cannes - Die G20-Länder beschlossen am Freitag nach Informationen aus Kreisen in Cannes, dass der IWF künftig kurzfristige Liquiditätskredite ausgeben kann, um Länder vorbeugend vor der Ansteckung durch Finanzkrisen zu schützen. Diese Liquiditätslinien könnten auch von Euro-Ländern genutzt werden.

Künftig sollen Regierungen bis zu 500 Prozent ihres Kapitalanteils am Währungsfonds ziehen können. Für Italien könnte sich das nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auf rund 45 Milliarden Euro belaufen, für Spanien auf bis zu 23 Milliarden Euro.

Die Liquiditätskredite würden für sechs Monate vergeben und könnten einmal verlängert werden. Zugangsberechtigt sollen den Angaben zufolge nur Länder sein, die bis auf wenige Schwächen eine gute Wirtschaftspolitik und solide Fundamentaldaten vorweisen können.

Zudem soll der IWF das Reform- und Sparprogramm von Italien überwachen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat dieser Vereinbarung offenbar zugestimmt, um das Vertrauen der Märkte wiederzugewinnen.

IWF könnte an Hebelung der EFSF beteiligt werden

Ein weiteres Thema auf dem G20-Gipfel in Cannes war nach Angaben aus den Delegationen die bereits beschlossene Stärkung des europäischen Krisenfonds für klamme Euro-Staaten EFSF. Bei einer Variante eines "Hebels" zur Steigerung der Ausleihkapazität könnte nun der IWF indirekt beteiligt werden. Die Schlagkraft des Fonds soll mit dem Kredithebel auf rund eine Billion Euro erhöht werden.

Entwicklungshilfeorganisationen und Umweltschützer kritisierten die einseitige Ausrichtung des G20-Gipfels auf die Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone. Sie hätten sich Fortschritte bei der Einführung einer Transaktionssteuer sowie mehr Diskussionen um Themen wie den Klimawandel oder den Kampf gegen den Hunger auf der Welt gewünscht.

Die G20-Staaten stritten bis Freitag weiter über Maßnahmen gegen gefährliche Spekulationsgeschäfte. Nach Entwürfen für die Abschlusserklärung des Gipfels scheiterte Sarkozy mit der Einführung einer globalen Bankenabgabe auf Finanzgeschäfte. "Wir erkennen die Initiativen zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer in einigen unserer Staaten an", heißt es eher lapidar in einem Nebentext.

mg/dpa
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