Freitag, 18. Oktober 2019

Papandreous Roulette Warum die Drachme Griechenland nicht hilft

Proteste in Thessaloniki (im September): Steigt das Land aus dem Euro aus, dürfte es zu Massenentlassungen und sozialen Unruhen kommen. Die Folge einer Rückkehr zur Drachme wäre kaum mehr Wettbewerbsfähigkeit, sondern zunächst Hyperinflation

Die Griechen stehen vor einer extremen Entscheidung. Wahrscheinlich haben sie den Impuls, Europa einen Denkzettel zu geben. Doch die Vorteile einer Rückkehr zur Drachme werden überschätzt - dem Land drohen Hyperinflation und ein Sturm auf die Banken. Auch Europa hat noch keinen Plan B, um die Schockwellen eines Euro-Ausstiegs abzufangen.

Die Ankündigung des griechischen Premierministers, ein Referendum über das Euro-Rettungspaket durchführen zu wollen, hat ganz Europa auf dem falschen Fuss erwischt. Nachdem der Eurogipfel vom 26. Oktober weitreichende Fortschritte in der Euroschuldenkrise erzielt hatte, schienen Extremszenarien vorerst gebannt. Nun könnte Griechenland diese Ergebnisse über den Haufen werfen.

Im Grunde ist es einem Volk nicht zu verwehren, seine Stimme zu erheben - es handelt sich immerhin um das Mutterland der Demokratie. Doch was würde es bedeuten, wenn die Griechen das Rettungspaket ablehnen würden?

Die Tragweite des Volksentscheids

Die Griechen stehen vor einer extremen Entscheidungssituation. Wahrscheinlich haben sie den Impuls, Europa und ihren Politikern einen Denkzettel zu geben, dass nicht immer die "kleinen Leute" für die Konstruktionsfehler des Euro, den Stimmenkauf von Politikern und die Rettung der Banken einstehen dürfen.

In der Folge eines solchen Denkzettels würde Griechenland am Ende jedoch ohne Geldgeber dastehen und sich in eine Spirale von Chaos und Instabilität hineinbewegen. Was würde genau passieren, wenn Griechenland die Umschuldung und die Hilfspaket von 130 Milliarden Euro ausschlagen und sich auf eigene Faust durchschlagen würde?

"Austerität now!" - Massenentlassungen und soziale Unruhen

In der öffentlichen Diskussion wird der hohe Schuldenberg Griechenlands von 165 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) als das Hauptproblem dargestellt. Das wirkliche Problem ist jedoch nicht der Bestand, sondern der Strom: Selbst wenn man die griechischen Schulden auf Null reduzieren würde, würde es weiter Schulden auftürmen. Der Grund ist, dass der Staat vor Zinszahlungen ein Primärdefizit hat, im Jahr 2010 von fast 5 Prozent.

Griechenland müsste die Sparmassnahmen quasi über Nacht durchführen, für die ihm das Eurorettungspaket drei Jahre Zeit lässt. Die Ablehnung des Hilfspakets würde also nicht nur dazu führen, dass der Staat seine Schulden nicht mehr bedienen kann, sondern, dass er auch die Löhne für Staatsangestellte und Sozialleistungen nicht mehr auszahlen könnte. Es käme augenblicklich zu Massenentlassungen im Staatssektor und sozialen Unruhen.

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