Euro-Zone Europa muss um Investoren buhlen

EFSF-Chef Klaus Regling muss weiter um die Gunst der Großinvestoren für seinen Rettungsfonds buhlen. Nach China hält sich auch Japan zurück, den Euro-Ländern Hilfe im Kampf gegen die Schulden zuzusichern. Derweil warnt BDI-Chef Keitel vor einem politischen Kuhhandel mit potentiellen Geldgebern.
Auf Werbetour: EFSF-Chef Klaus Regling erhielt weder in China noch Japan Zusagen für zusätzliche Hilfen

Auf Werbetour: EFSF-Chef Klaus Regling erhielt weder in China noch Japan Zusagen für zusätzliche Hilfen

Foto: AFP

Tokio/Wien - EFSF-Chef Klaus Regling konnte auf seiner Werbetour in Asien nur erreichen, dass Japan wie bisher Anleihen des Fonds kaufen will. "Wir werden wegen zukünftiger Maßnahmen weiter in Kontakt bleiben", sagte Regling am Montag in Tokio nach einem Gespräch mit Vize-Finanzminister Takehiko Nakao.

Auch China ließ seine Beteiligung weiter offen. Präsident Hu Jintao machte am Montag während eines Staatsbesuchs in Österreich keine Andeutungen, ob das Land mit den größten Devisenreserven der Welt Europa zur Seite springt. "Wir sind davon überzeugt, dass Europa die Weisheit und die Fähigkeit besitzt, die derzeitigen Schwierigkeiten zu überwinden", sagte Hu in Wien und betonte: "Wir verfolgen die wirtschaftliche Entwicklung unter den derzeitigen Schwierigkeiten aufmerksam."

Zweifel an der Nachhaltigkeit der Lösung für die Euro-Schuldenkrise holten die Anleger an Europas Aktienmärkten wieder ein: Der Dax rutschte bis zum frühen Nachmittag um mehr als 2 Prozent ab, in Mailand gaben die Kurse im Schnitt ebenfalls um mehr als 2 Prozent nach.

Die Euro-Länder wollen die Spannweite des EFSF auf eine Billion Euro vergrößern, um für eine Ausweitung der Schuldenkrise gewappnet zu sein. Geplant sind dafür eine Teilversicherung für private Käufer von Staatsanleihen und die Gründung eines Hilfstopfes, in den Investoren einsteigen können. Die Anleger warten aber noch auf Details. Japan hält etwa 2,7 Milliarden Euro - 20 Prozent - an den vom EFSF bisher herausgegebenen Anleihen und ist damit größter Investor außerhalb der Euro-Zone für diese Papiere. China wird nachgesagt, im Gegenzug für einen Einstieg politische Zugeständnisse wie die Anerkennung als Marktwirtschaft heraushandeln zu wollen.

BDI-Chef warnt vor politischem Kuhhandel mit China

Die deutsche Industrie warnte davor, den begehrten Geldgeber zu weit entgegenzukommen. "Die Grenze ist überschritten, wenn die Euro-Staaten sagen: Wir bieten euch eine politische Gegenleistung, damit ihr uns Geld zur Verfügung stellt", sagte der Präsident des Industrieverbandes BDI, Hans-Peter Keitel, zu "Spiegel-Online". "Zum Beispiel können wir China nicht anbieten, Kompromisse beim Recht am geistigen Eigentum einzugehen, wenn das Land uns im Gegenzug Geld für den Rettungsfonds gibt."

FDP-Generalsekretär Christian Lindner fürchtet keine zu große Abhängigkeit durch Anleihekäufe etwa von China und Russland. Es sei gut für die Stabilität des internationalen Finanzsystems, wenn die Chinesen ihre großen Devisenreserven anlegten, sagte er. Damit die Vorstellung zu verbinden, dass es auf anderen Feldern wie der Wirtschaftspolitik Zugeständnisse gebe, sei ein Irrtum. Chinesische Staatsfonds seien eingeladen als Investoren, aber nicht als politische Gesprächspartner.

Russland signalisierte seine Verhandlungsbereitschaft. Es habe zwar noch keine formelle Anfrage der EU gegeben, sagte Wirtschaftsberater Arkadi Dworkowitsch. "Aber wenn sie so etwas tun sollten, dann werden Finanzministerium, Zentralbank und Regierung dies ernsthaft in Erwägung ziehen und auch als Möglichkeit der Unterstützung (betrachten)." Russland habe bereits mit anderen Schwellenländern über Hilfen für die Euro-Zone beraten.

Euro-Zone steht konjunkturell vor harten Zeiten

Die 17 Euro-Länder steuern nach Ansicht der OECD im nächsten Jahr auf einen kräftigen Abschwung zu. Die Industrie-Staaten-Gruppe erwartet 2012 im Währungsraum nur ein Miniwachstum von 0,3 Prozent und senkte seine bisherige Prognose von 2,0 Prozent damit fast auf ein Zehntel. In einigen Ländern werde die Wirtschaftskraft sogar sinken, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit. Für die USA sagt die OECD im nächsten Jahr ein Anziehen der Konjunktur um 1,8 Prozent voraus, bisher lag die Prognose noch bei 3,1 Prozent. Die OECD warnt vor einer deutlichen Eintrübung des globalen Ausblicks, falls die Politik die Folgen der Schuldenkrise für die Finanzmärkte nicht stoppe.

rei/reuters
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