Anleihen-Versteigerung Italien muss Investoren Rekordzinsen zahlen

Euro-Gipfel hin, Riesen-Sparpläne her: An Italiens Genesung scheinen Investoren nicht zu glauben. Das hochverschuldete Euroland konnte sich zwar am Anleihenmarkt frisches Geld beschaffen. Doch die Italiener mussten dafür Rekordzinsen zahlen.
In ähnlich baufälligem Zustand wie das Colosseum auf der Euro-Centmünze sind auch Italiens Staatsfinanzen

In ähnlich baufälligem Zustand wie das Colosseum auf der Euro-Centmünze sind auch Italiens Staatsfinanzen

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Trotz der Ergebnisse des EU-Schuldengipfels hat sich Italien am Kapitalmarkt nur zu rekordhohen Zinsen frisches Geld besorgen können. Bei der ersten Auktion nach dem als Befreiungsschlag gegen die Schuldenkrise gewerteten Euro-Gipfel stieg die Rendite für eine Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit auf 6,06 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Einführung des Euro, teilte das Finanzministerium am Freitag mit.

Bei der Auktion Ende September wurden nur 5,86 Prozent fällig. Bei der parallelen Versteigerung einer dreijährigen Anleihe erreichte der Zinssatz mit 4,93 Prozent den höchsten Wert seit elf Jahren. Ingesamt sammelte der hoch verschuldete Staat acht Milliarden Euro bei Investoren ein.

Im Verlauf der Woche hatte sich Italien bereits bei zwei Versteigerungen von Papieren am Geldmarkt über neun Milliarden Euro zu erhöhten Zinsen beschaffen müssen. Am sogenannten Sekundärmarkt, an dem italienische Staatsanleihen frei gehandelt werden, legte die Rendite der zehnjährigen Anleihe nach den Auktionen zum Wochenschluss leicht zu.

Regierung zerstritten über Reformpläne

"Ich bin überrascht, dass die Kosten für die Geldbeschaffung so gestiegen sind", sagte Analyst Christian Reicherter von der DZ Bank in Frankfurt. "Damit steigt der Druck auf Italien, sein Schuldenproblem zu lösen."

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat zwar Reformen im Rentensystem und auf dem Arbeitsmarkt sowie Privatisierungen zugesagt, um den Schuldenstand bis 2014 auf 113 von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Allerdings ist die Regierung über die Reformen zerstritten. Die Ratingagenturen hatten die Kreditwürdigkeit Italiens zuletzt herabgestuft. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft immer wieder italienische Anleihen am Markt, um einen weiteren Zinsanstieg zu verhindern.

Gewerkschaften zum Generalstreik bereit

Die italienischen Gewerkschaften scheinen zum Widerstand gegen die von Regierungschef Silvio Berlusconi vorgelegten Sanierungspläne entschlossen - bis hin zum Generalstreik. Sie machen gegen die von Berlusconi in dieser Woche angekündigten Erleichterungen von Entlassungen auch bei unbefristeten Arbeitsverträgen mobil, wie italienische Medien am Freitag übereinstimmend berichteten.

"Diese Regierung muss gehen, an jedem Tag häuft sie neuen Schutt auf unserer Gegenwart und vor allem unserer Zukunft auf", sagte die Generalsekretärin der größten Gewerkschaft CGIL, Susanna Camusso, der Zeitung "L'Unità". Auch die Gewerkschaften CISL und UIL könnten in einer für sie seltenen Einigkeit bei einem Generalstreik mitmachen.

"Wir haben einen Arbeitsminister (Maurizio Sacconi), der die Arbeitnehmer hasst", meinte Camusso in dem Interview. Sie warf die Frage auf, ob Berlusconi die "Freiheit, zu entlassen", im Parlament in Rom wie schon oft mit der Vertrauensfrage durchsetzen werde. Die Gewerkschaften CGIL und UIL - zusammen etwa vier Millionen Mitglieder - wollten bereits am Freitag in Rom gegen Berlusconi demonstrieren.

Im Gegensatz zu den drei Gewerkschaften begrüßte die größte Arbeitgeberorganisation Confindustria die "klaren Verpflichtungen", die von der Regierung Berlusconi in Brüssel eingegangen worden seien. Jetzt sei Mut zu Reformen nötig, so Verbandschefin Emma Marcegaglia. /ka/DP/jsl

wed/dpa-afx/rtr
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