Freitag, 18. Oktober 2019

Gipfel-Marathon Warum der Euro einen Kraftakt verdient

Protest vor der Europäischen Zentralbank: Ringen um die Zukunft der Gemeinschaftswährung

Im dichten Takt der Euro-Gipfel geht die Frage unter: Wozu das alles? Das gemeinsame Geld belastet Europa, hat aber laut mehreren Studien auch gewaltigen Nutzen gestiftet. Jedoch nicht allen Ländern und Akteuren gleichermaßen.

Hamburg - "Scheitert der Euro, dann scheitern Europa." So hat es Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch vor dem Bundestag erneut erklärt, bevor sie zum Krisengipfel nach Brüssel reiste. Doch warum muss eigentlich Europa scheitern, wenn der Euro scheitert? Geht es nur um eine politische, moralische Verpflichtung oder um handfeste wirtschaftliche Vorteile?

Fragt man die Bundesregierung, ist die Antwort einfach: Reihenweise "Vorteile für Wirtschaft und Verbraucher" schreibt sie auf ihrer offiziellen Homepage dem Euro zu. Natürlich verweist sie auf die Inflation, die seit der Einführung der Gemeinschaftswährung sogar noch niedriger ist als zu Zeiten der harten Mark; auf die Möglichkeit, europaweit Preise zu vergleichen; auf den Wegfall von Transaktionskosten für Unternehmen; und auch auf das eher symbolische "Gewicht in der Welt" des Euro Börsen-Chart zeigen als zweitwichtigster Währung nach dem US-Dollar.

Etwas überrascht die Aussage, "besonders in der aktuellen Finanzmarktkrise" habe "der Euro seine Bewährungsprobe bestanden". Er habe sich als "Stabilitätsanker" erwiesen, heißt es dort auch.

"Nicht umsonst" wollten mehr EU-Länder als früher der Währungsunion beitreten. Doch vielleicht wurde die Seite in all dem Trubel, den der Euro in den vergangenen Monaten verursacht hat, einfach noch nicht aktualisiert.

McKinsey schreibt Drittel des deutschen Wachstums dem Euro zu

Allerdings hat gerade die Euro-Krise auch einige neuere Studien angeregt, die den Nutzen der Gemeinschaftswährung untersuchen. Noch unveröffentlicht ist eine der Beratungsgesellschaft McKinsey, die manager magazin online in Auszügen vorliegt. Die Berater kommen auf stolze Zahlen.

Nach Berechnung von McKinsey bringt der Euro den Mitgliedsländern Jahr für Jahr positive Effekte von 332 Milliarden Euro, die Hälfte davon in Deutschland, das damit als Hauptprofiteur erscheint. Deutschland habe "rund ein Drittel seines Wirtschaftswachstums seit 1999 der Einführung des Euro zu verdanken", schätzen die Autoren der Studie.

Elf Milliarden Euro pro Jahr spart die deutsche Wirtschaft laut McKinsey an Transaktions- und Absicherungskosten dank der mit den wichtigsten Handelspartnern gemeinsamen Währung. Der zusätzliche Handel innerhalb der Euro-Zone, der zwar im vergangenen Jahrzehnt kaum noch zulegte, aber um 30 Prozent stärker sei als in der Vor-Euro-Zeit, bringe 30 Milliarden Euro. Von diesen beiden Effekten profitiere Deutschland im gleichen Maß wie die anderen Euro-Länder.

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