Dammbruch Regierung empfiehlt 30.000 Thais die Flucht

Alarm für 30.000 Menschen bei Bangkok: Rund 35 Kilometer nördlich der thailändischen Hauptstadt hat das Hochwasser am Dienstag einen wichtigen Damm zerstört. Die Regierung empfiehlt den Betroffenen zu fliehen - und die Bedrohung für die Millionenstadt Bangkok wächst.
Überflutungen im Norden Bangkoks: Die Regierung legt ihren Bürgern die Flucht nahe - und gewährt Sonderurlaub zum Kampf gegen die Wassermassen

Überflutungen im Norden Bangkoks: Die Regierung legt ihren Bürgern die Flucht nahe - und gewährt Sonderurlaub zum Kampf gegen die Wassermassen

Foto: Paula Bronstein/ Getty Images

Bangkok - Das Krisenzentrum (Froc) forderte die Einwohner südlich der gebrochenen Barriere dringend zur Flucht auf. Der Umgebung des alten Don-Mueang-Flughafens drohe eine bis zu anderthalb Meter hohe Flutwelle, sagte der Direktor des Krisenzentrums, Justizminister Pracha Promnok.

"Die Anwohner müssen aus Sicherheitsgründen so schnell wie möglich gehen", sagte der Minister. Die Armee stehe mit Lastwagen bereit, um den Menschen bei der Flucht zu helfen. Der Sprecher des Krisenzentrums schätzte die Zahl der Betroffenen auf rund 30.000.

Auch am Raphipat-Kanal zwischen der schwer überschwemmten alten Königsstadt Ayutthaya und Bangkok haben die Fluten die Deiche aufgeweicht. Damit schwappten zusätzlich Unmengen Wasser in Richtung der Millionen-Metropole. Nach Angaben des Krisenzentrums hatten aufgebrachte Anwohner die Dämme zum Teil mit Absicht eingerissen. Sie glauben, dass die Barrieren nur Bangkok schützen und verhindern, dass das Wasser aus ihren überschwemmten Gebieten schneller abfließt.

Die Pegelstände des Flusses Chao Phraya, der durch die dicht besiedelte westliche Innenstadt Bangkoks fließt, erreichten fast Rekordhöhe. Das Hochwasser blieb aber zunächst unterhalb der 2,50 Meter hohen Dammoberkante, sagte Gouverneur Sukhumbhand Paribatra. Auch in der Nähe des Königspalastes waren die Straßen trocken, berichtete der Besitzer des Arun-Residence-Hotels, das direkt am Wasser liegt.

Sonderurlaub für Bevölkerung wegen Hochwasser

Das seit 50 Jahren schwerste Hochwasser in Thailand beschert der Bevölkerung zusätzliche Urlaubstage. Die von der Regierung am Dienstag für die Zeit vom 27. bis 31. Oktober angeordneten Feiertage für die Hauptstadt Bangkok und 20 Provinzen dienen allerdings kaum der Erholung: Die freien Tage sollen vielmehr dazu genutzt werden, die von den Fluten bedrohten Gebiete zu räumen. Denn die für das Wochenende erwartete Scheitelwelle droht die Bemühungen zu erschweren, die Wassermassen an der tief gelegenen Hauptstadt vorbei zu leiten.

Die Naturkatastrophe hat bereits zur zwangsweisen Schließung von sieben Industriegebieten rund um Bangkok geführt. Dies hatte Produktionsausfälle von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro zur Folge und machte rund 650.000 Menschen vorübergehend arbeitslos. Für den Wiederaufbau der zerstörten Regionen stellte die Regierung 225 Milliarden Baht (5,26 Milliarden Euro) zur Verfügung. Seit Beginn der Überschwemmungen Mitte Juli sind mindestens 366 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 113.000 Thailänder leben seitdem in Notunterkünften, 720.000 sind auf medizinische Hilfen angewiesen.

Der für Inlandsflüge genutzte Flughafen Don Muang sollte von 12 Uhr MESZ an seinen Betrieb in Bangkok vorübergehend einstellen. Das Rollfeld sei zwar nicht überschwemmt, doch hätten viele Passagiere und Mitarbeiter von Fluggesellschaften Probleme zum Flughafen zu kommen, erklärte das Management. Die Inlands-Airline und Thai-Airways -Tochter Nok Air hatte ihre Flüge von und nach Don Muang zuvor eingestellt. Auf dem internationalen Flughafen Suvarnabhumi verlief der Betrieb dagegen weiter normal. Allerdings dachte Thai Airways darüber nach, den internationalen Flugplan wegen Transportproblemen der Mitarbeiter auszudünnen.

wed/rtr/dpa
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