Die Wirtschaftsglosse Lieber keine Nachrichten

Die EU will Länderratings notfalls verbieten - zum Wohl der Weltwirtschaft. Aber am Ende des Tages können ja auch schon einfache Berichte über Probleme in EU-Ländern schlimme Folgen haben. Künftig werden wir deshalb Staaten wie G. (Name der Redaktion bekannt) lieber anonymisieren.
Lieber keinem Probleme machen: Im Interesse der Weltwirtschaft haben wir die Staaten unkenntlich gemacht, um die es hier möglicherweise gehen könnte

Lieber keinem Probleme machen: Im Interesse der Weltwirtschaft haben wir die Staaten unkenntlich gemacht, um die es hier möglicherweise gehen könnte

Foto: Wikimedia / San Jose / Hayden120

Weil Länderratings, vor allem über kriselnde Staaten, immer soviel Unruhe in der Weltwirtschaft verursachen, will EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sie notfalls verbieten lassen. Wenn ein Land kriselt, soll es auf der Landkarte der Ratingagenturen erstmal zum weißen Fleck werden, so Barniers Vorschlag. Natürlich nur, wenn strikte Kriterien erfüllt sind: Durch das Rating müssen Probleme in anderen Ländern drohen oder das EU-Finanzsystem als Ganzes gefährdet sein.

Diese Kriterien zu erfüllen, dürfte Insidern zufolge allerdings nicht allzu schwierig sein. Aus Regierungskreisen ist kürzlich die brandheiße Meldung durchgesickert, dass das EU-Finanzsystem als Ganzes sowieso schon gefährdet ist. Aber pssst: das haben Sie jetzt nicht von uns!

Denn wenn man Barniers Gedanken zu Ende denkt, stehen ja auch die Medien in der Verantwortung, kriselnden Staaten und damit letztlich der ganzen EU nicht noch weiter zu schaden. Nehmen wir den Staat G. (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt). Da gibt es, nun ja, ernste Probleme. Ja, auch finanzieller Natur, und nein, eine richtige Lösung ist nicht in Sicht.

Nicht viel besser sieht es in I., P. und S. aus. Oder im anderen I. (alle Staaten der Redaktion bekannt). Mehr können wir aber an dieser Stelle wirklich nicht verraten, um die Weltwirtschaft nicht zu gefährden. Tut uns leid. Bitte bleiben Sie ruhig und investieren Sie weiter.

Allerdings ist ja noch fraglich, ob Barnier mit seinem radikalen Vorschlag wirklich durchkommt. Denkbar wäre auch eine entschärfte Variante: Ratings dürfen weiter veröffentlicht werden, müssen aber mit entsprechenden Warnhinweisen versehen werden ("Ratings fügen Ihnen und den Staaten in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu", "Rating kann zu einem langsamen und schmerzhaften Wirtschaftstod führen").