Griechenland Ausfall als Alternative

Immer mehr Ökonomen freunden sich mit der Vorstellung eines Schuldenschnitts für Griechenland an. Etliche Experten wollten sich allerdings nicht zu der heiklen Frage äußern, ob Griechenland pleite gehen wird oder nicht.
Streik in Griechenland: Den Aussichten des Lande hilft die Blockadehaltung nicht gerade

Streik in Griechenland: Den Aussichten des Lande hilft die Blockadehaltung nicht gerade

Foto: AP

Berlin - Griechenland steuert nach Meinung von Ökonomen auf einen Zahlungsausfall zu. In einer Reuters-Umfrage äußerten sich zwölf von 23 Experten überzeugt, dass das Mittelmeerland einen markanten Schuldenschnitt benötigt. "Das ist nur noch eine Frage der Zeit. Spätestens Februar 2012 wird es soweit sein, möglicherweise sogar schon im November", sagte Analyst Timo Klein von IHS Global Insight. Die Märkte hätten eine umfassende Restrukturierung der Schulden bereits "eingepreist", meint Experte Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage.

Der Leiter des gewerkschaftsnahen IMK in Düsseldorf, Gustav Horn, hat die Griechen jedoch noch nicht abgeschrieben: "Mit einer adäquaten Politik kann die Zahlungsunfähigkeit abgewendet werden." Zehn der befragten Experten wollten sich allerdings nicht zu der heiklen Frage äußern, ob Griechenland pleite gehen wird oder nicht. Zuletzt hatte auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands nicht mehr ausgeschlossen. Die Wirtschaftsweisen um den Mannheimer Forscher Wolfgang Franz befürworten bereits seit längerem einen Schuldenschnitt auf die ausstehenden Anleihen Griechenlands von etwa 50 Prozent.

Ein solcher Schritt würde sehr wahrscheinlich von den Ratingagenturen als Zahlungsausfall gewertet. An dem zweiten, mehr als 100 Milliarden Euro schweren Rettungspaket für Griechenland sind private Gläubiger bereits beteiligt. Unter dem Strich geht es um eine Verlängerung der Anleihe-Laufzeiten, damit das Land mehr Zeit für die Rückzahlung bekommt. Durch diesen Tausch von Staatsanleihen in längerlaufende Papiere müssen die Banken eine 21-prozentige Wertberichtigung auf griechische Bonds hinnehmen. Wie aus Kreisen der Euro-Zone verlautete, wird nunmehr aber erwogen, den privaten Bankengläubigern einen Verlust von 30 bis 50 Prozent auf ihre griechischen Staatsanleihen abzufordern.

Wesentlich optimistischer als die Zukunft Griechenlands beurteilen die von Reuters befragten Experten die Aussichten Italiens und Spaniens, sich am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf zu ziehen. "Mittelfristig sind beide Staaten solvent", meint das IfW. Laut Michael Clauss von Eurozone Advisors haben Spanien und Italien die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um ihre Schuldenprobleme in Eigenregie zu bewältigen: "Spanien wird nach den Wahlen im November das Defizit leichter in den Griff bekommen, Italien hängt in puncto Schuldenreduzierung vom globalen Wachstum ab." Christian Schulz von der Berenberg Bank hält es jedoch für möglich, dass Spanien im "Falle des Falles" unter den Schirm eines Rettungsprogramms schlüpfen könnte. Die Mittel des EFSF reichten dafür aus. Für Italien sei der Rettungsschirm jedoch nicht groß genug. "Im Falle einer neuen Flucht aus italienischen Staatsanleihen wird deshalb der EFSF und - über kurz oder lang - die Europäische Zentralbank an den Finanzmärkten eingreifen." Das IMK geht davon aus, dass die dritt- und auch die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone auf mittlere Sicht Hilfe benötigen werden: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Italien und Spanien mittelfristig ihre Schuldenproblem ohne Rettungsprogramme in den Griff bekommen, ist gering."

got/rtr
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