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Vordenker der Wirtschaft: Nobelpreisträger für Ökonomie

Foto: AFP/ Princeton University

Wirtschaftsnobelpreis Ehrung für konservative US-Ökonomen

Der Wirtschaftsnobelpreis geht in diesem Jahr an die beiden US-Wissenschaftler Thomas Sargent und Christopher Sims. Damit ehrt die Schwedische Reichsbank erstmals seit Jahren wieder Ökonomen, die in ihrem Werk vorbehaltlos von funktionierenden Märkten ausgehen.

Stockholm - Das teilte Staffan Normark von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften am Montag mit. Mit der Auszeichnung werde die "empirische Forschung über Ursachen und Wirkungen in der Makroökonomie" der beiden Amerikaner gewürdigt, hieß es in der Begründung für die Entscheidung.

Sargent und Sims (beide 68) forschten unabhängig voneinander vor allem in den 70er und 80er Jahren. Sargent lehrt an der Universität von New York, Sims an der Universität Princeton.

Laut der Königlichen Schwedischen Wissenschaftsakademie liefert das Werk der beiden "heute wesentliche Werkzeuge zur makroökonomischen Analyse". Mithilfe der ökonometrischen Methode der Vektor-Autoregression, die Sims entwickelt und verbreitet hat, können Zeitreihen verschiedener ökonomischer Variablen theoriefrei auf ihre Zusammenhänge untersucht werden.

Sargent gilt als einer der Anführer der "Revolution der rationalen Erwartungen", die unter Führung des 1995 ebenfalls mit dem Nobelpreis geehrten Chicago-Ökonomen Robert Lucas einst die keynesianische Denkschule zurückdrängte. Auf dieser Grundlage entwickelte Sargent makroökonomische Modelle. Der Theorie der rationalen Erwartungen zufolge richten Marktteilnehmer ihr Handeln an vernünftigen Voraussagen über die Zukunft aus. Daher berücksichtigten sie auch erwartete Änderungen der Inflationsraten oder der Steuersätze - was eine wirtschaftspolitische Steuerung durch Politik oder Zentralbanken fast unmöglich mache, in Abwesenheit solcher Einflussnahme aber eine effiziente Preisbildung ermögliche.

Besonders seit der Finanzkrise ist diese Theorie jedoch stark in die Kritik gekommen. Auch die Nobelpreisträger der vergangenen Jahre verfolgen zumeist Ansätze, die Zweifel am reibungslosen Funktionieren der Märkte säen.

Sims sagte am Telefon, er freue sich und sei überrascht von der Mitteilung über den Stockholmer Preis. Auf die Frage, wie er seine Hälfte der Dotierung angesichts der derzeitigen Krise auf den Finanzmärkten zu investieren gedenke, sagte er: "Ich werde es wohl eine Weile in bar behalten und dabei über die Verwendung nachdenken."

Der Preis ist mit zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert und wird für bahnbrechende Forschungsergebnisse und Entdeckungen vergeben. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften wird seit 1969 verliehen. Er wurde von der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel gestiftet, gehört anders als die Preise für Chemie, Physik, Medizin, Frieden und Literatur also nicht zum Testament des schwedischen Industriellen, das denjenigen in diesen Disziplinen zugute kommen soll, "die der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben".

ak/dapd/ap/rtr/dpa

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