G20-Treffen Europas Währung, das Problem der Welt

Die Euro-Krise dominiert die Herbsttagung von IWF und Weltbank. Nach den USA äußern auch die Vertreter der Schwellenländer Unmut über Europas Politik. Die G20-Staaten bemühen sich darum, geschlossenes Handeln zu demonstrieren.
Tribunal gegen Europa: Pressekonferenz der BRICS-Staaten in Washington

Tribunal gegen Europa: Pressekonferenz der BRICS-Staaten in Washington

Foto: YURI GRIPAS/ REUTERS

Washington - Aus Sorge vor einem Abrutschen der Weltwirtschaft wollen die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer die Banken rund um den Globus notfalls mit ausreichend Geld versorgen. Die Zentralbanken würden die Institute mit der notwendigen Liquidität ausstatten, heißt es in der in Washington veröffentlichten Erklärung der G20. So weit, so erwartbar.

In Washington trafen sich die Finanzminister und Zentralbankchefs der G20-Länder vor Beginn der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank. Bei der Zusammenkunft an diesem Wochenende stehen die Euro-Krise und der globale Wirtschaftsabschwung im Vordergrund.

Das Finanzsystem sei fragil, hieß es in der G20-Erklärung weiter. "Wir verpflichten uns zu einer starken und koordinierten Antwort auf die neuen Herausforderungen für die Weltwirtschaft", erklärten die Finanzminister und Notenbankchefs. Die Eurozone verpflichte sich, die Feuerkraft des Rettungsmechanismus (EFSF), die Flexibilität und die Wirkungskraft zu verbessern.

"Das Epizentrum der Krise ist diesmal die Europäische Union"

Die Beschlüsse zur Stärkung des EFSF waren bereits auf einem Krisengipfel im Juli gefallen; bis Oktober wird mit der Zustimmung aller Euro-Länder gerechnet. Der Bundestag wird am kommenden Donnerstag darüber abstimmen.

Die Zeit zum Handeln drängt: Vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer fürchten ein Übergreifen der Krisen in den Industrienationen und fordern besonders von der Euro-Zone entschiedenere Schritte im Kampf gegen das Debakel.

Kaum einer wurde so deutlich mit seinen Unmutsäußerungen am Rande der Konferenz wie Brasiliens Finanzminister Guido Mantega. "Das Epizentrum der Krise ist dieses Mal die Europäische Union", dozierte er.

Vor drei Jahren, als die Weltwirtschaft nach einer beispiellosen Finanzkrise in das tiefste Loch der Nachkriegszeit stürzte, waren es noch die US-Amerikaner, die die Hauptverantwortung trugen, vergaß er nicht zu ergänzen. Mantega forderte die Europäer auf, "schnell und wagemutig" zu handeln. Sonst drohe die Gefahr einer "großen Krise", auch für Entwicklungs- und Schwellenländer, die bisher noch für ein Wachstum der Weltwirtschaft von rund 4 Prozent sorgen.

Streit zwischen Amerika und Europa

Mantega war nicht alleine, als er seine Kritik vortrug. Um ihn herum saßen die Kollegen Minister und Notenbankchefs der Wirtschaftsmächte von morgen, der BRICS, und nickten beifällig.

Das sind die großen Schwellenländer - neben Brasilien Indien, Russland, China und Südafrika. In einer gemeinsamen Erklärung werfen sie den Industrieländern, vor allem den Europäern, vor, sie handelten nicht entschlossen genug, nicht schnell genug, nicht gemeinsam und letztlich verantwortungslos.

So etwas hatte den Europäern schon vor der Tagung geschwant. "Egal, was wir ihnen erzählen: die Euro-Krise wird das alles überstrahlende Thema sein", hatte ein deutscher Regierungsvertreter angekündigt. Und es gibt wenig, mit dem sich die angeklagten Europäer vor diesem Tribunal verteidigen können.

Das erinnert an den früheren US-Finanzminister John Connally, der 1971 in Rom auf einem Gipfel (damals der G-10-Staaten) vor europäischen Journalisten erklärte: "Der Dollar ist unsere Währung, aber Euer Problem."

Die größten Risiken für die globale Wirtschaft liegen derzeit in Europa

IWF-Chefin Christine Lagarde sagt es, Zoellick auch und selbst US-Finanzminister Tim Geithner, nicht ohne Selbstkritik: Die größten Risiken für die Weltwirtschaft liegen in den angestammten Industrieländern, in Europa und den USA. Und dass trotz dieser unbestrittenen Bedrohung der politische Streit über den richtigen Weg beiderseits des Atlantiks eine entschlossene und abgestimmte Krisenbekämpfung verhindert - das spricht nicht für Führungsqualitäten der Europäer und der Amerikaner.

Vor einer Woche war Geithner erstmals zu einer Konferenz seiner Kollegen von der Euro-Gruppe im polnischen Breslau gereist, dort aber mit seiner Bitte um eine starke Aktion zur Rettung der Gemeinschaftswährung abgeblitzt.

In Amerika breitet sich Zynismus angesichts der Euro-Krise aus. Die Notenbank Federal Reserve hatte auf ihrer September-Sitzung von "erheblichen Abwärtsrisiken für den Wirtschaftsausblick" gesprochen. "Dafür können wir uns bei den Europäern bedanken", kommentierte der Ökonom und Fed-Beobachter Tim Duy.

Die US-Regierung hat inzwischen entschieden, die seit zwei Jahren betriebene Sparpolitik vorerst zurückzustellen und die Wirtschaft erneut zu stützen. Auch die Fed unternimmt zusätzliche Schritte zu einer lockeren Geldpolitik. Gleiches fordern die Amerikaner auch von Europas Führung. Doch vor allem die deutschen Regierungsvertreter beharren auf ihrem Konsolidierungskurs. Eine Einigung über den richtigen Kurs ist noch immer nicht in Sicht.

mit Material von dpa-afx und reuters