Schuldenkrise China bietet Europa und USA Finanzhilfe an

Es ist ein eindringliches Zeichen für Chinas Stärke: Premier Wen Jiabao hat Europa und den USA Hilfe in der eskalierenden Wirtschafts- und Schuldenkrise angeboten, verlangt aber Gegenleistungen: Die EU soll China als Marktwirtschaft anerkennen, die USA sollen Handelsschranken abbauen.
Chinas Premier Wen Jiabao: Hilfe angeboten - "mutige Schritte" gefordert

Chinas Premier Wen Jiabao: Hilfe angeboten - "mutige Schritte" gefordert

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Dalian - China hat bereits begonnen, die eigene Wirtschaftsstärke in Macht auf dem Devisenmarkt umzumünzen. Gestern bestätigten Italiens Behörden bereits bilaterale Gespräche mit China über Wirtschaftsinvestments, jetzt will der asiatische Wirtschaftsriese offenbar direkt weiteren Einfluss auf den etablierten Westen zu nehmen. Sein Land sei bereit, "eine helfende Hand auszustrecken" und mehr in den europäischen Ländern und den USA zu investieren, sagte der chinesische Premier Wen Jiabao zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Dalian an diesem Mittwoch. "Die Weltwirtschaft erholt sich langsam, aber Instabilität und Unsicherheit wachsen", sagte Wen Jiabao vor dem "Sommer-Davos" genannten Forum.

Im Gegenzug verlangt der Premier aber "mutige Schritte" der Europäer gegenüber China: Sie sollten endlich die zweitgrößte Volkswirtschaft als Marktwirtschaft anerkennen. Wen Jiabo hofft in dieser Frage auf einen "Durchbruch" schon auf dem nächsten EU-China-Gipfel am 25. Oktober im chinesischen Tianjin. Der Status einer Marktwirtschaft würde China vor Anti-Dumping-Klagen schützen - und hätte für Peking hohen symbolischen Charakter.

Auch gegenüber den USA hat Chinas Ministerpräsident klare Erwartungen: Wen Jiabao forderte eine größere Öffnung des US-Marktes für chinesische Investitionen. Dann müsse China auch nicht mehr so viel Geld in amerikanischen Staatsanleihen anlegen. Investitionen könnten zudem neue Jobs schaffen. Um amerikanische Exporte nach China zu steigern, solle Washington die Beschränkungen für die Ausfuhr hochtechnologischer Produkte nach China aufheben.

Auch Russland will weiter Anleihen kaufen

Zuletzt hatte sich das krisengebeutelte Italien um finanzielle Hilfen aus China bemüht Finanzminister Giulio Tremonti war nach Angaben seines Ministeriums mit dem Vorsitzenden des chinesischen Staatsfonds CIC, Lou Jiwe, zusammengetroffen. Laut "Financial Times" hat Tremonti für den Kauf italienischer Staatsanleihen oder Investitionen in Firmen des Landes geworben. Später berichtete auch das "Wall Street Journal" über eine mögliche Rettungsaktion aus Fernost.

Das chinesische Außenministerium bekräftige, dass Peking mit den europäischen Ländern kooperieren werde, um die Finanzkrise zu bewältigen. "Europa wird weiterhin einer von Chinas wichtigsten Investitionsmärkten sein", sagte eine Sprecherin. "Wir werden weiterhin die finanzielle und wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die Zusammenarbeit bei Investitionen ausweiten, um gemeinsam die Finanzkrise anzugehen."

China hatte schon im April signalisiert, verstärkt Schulden der unter Druck geratenen Euro-Länder aufkaufen zu wollen - unter anderem von Portugal und Griechenland. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Die Volksrepublik hatte aber angegeben, Milliarden in Euro-Staatsanleihen investiert zu haben. Auch Russland hat sich bereiterklärt, weiterhin regelmäßig Staatsanleihen aus der Euro-Zone abzunehmen.

kst/heb/jok/dpa/rtr
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