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Standortnachteil Franken: Wie die starke Währung Schweizer Konzerne trifft

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Schweizer Franken "Eingriff der Notenbank hat Risiken"

Die Schweizer Notenbank steuert seit Dienstag den Wechselkurs und will ihn nicht mehr unter 1,20 Franken zum Euro fallen lassen. Damit sei der Franken immer noch überbewertet, sagen Analysten. Das Wechselkursziel sei mit Risiken verbunden und nur mit großem Aufwand zu verteidigen.

Zürich - Die Ankündigung der Schweizer Nationalbank SNB sei glaubwürdig, aber auch mit Risiken verbunden, kommentieren die Analysten der VP Bank. Die traditionellen Inflations-, Geldmengen- und Zinsziele SNB träten fortan in den Hintergrund. Der Franken soll zum Euro nicht mehr unter die Marke von 1,20 fallen.

Die Analysten Jörg Zeuner und Oliver Schlumpf von der VP Bank gehen davon aus, dass die Schweizer Notenbank das untere Kursziel des Schweizer Franken in den kommenden Wochen verteidigen kann und wird. Ein Kursziel von 1,30 Franken sei zwar fundamental angemessener, wäre aber mit noch stärkeren Interventionen verbunden. Die Schweizer Notenbank hat im August bereits für mehr als 70 Milliarden Schweizer Franken Devisen gekauft. Ein Kursziel von 1,10 Franken wäre leichter zu verteidigen, hätte jedoch der Schweizer Wirtschaft und den exportierenden Unternehmen nicht die gewünschte Entlastung gebracht.

Eine Folge der weiteren Interventionen der Schweizer Notenbank werde eine anziehende Inflation in der Alpenrepublik sein: Inflationsraten rund um 2 Prozent dürften der SNB sogar helfen, den Franken weiter abzuschwächen. Das Wachstum des Schweizer Exportsektors werde sich aber auch bei einem Kurs von 1,20 Franken zum Euro verlangsamen.

Die Mehrheit der befragten Volkswirte erwartet ebenfalls, dass die SNB das ausgegebene Kursziel verteidigen kann. "Ich bin relativ zuversichtlich, dass die Nationalbank das Kursziel von 1,20 Franken zum Euro durchsetzen kann. Bei 1,10 war der Franken weit überbewertet, so massiv, dass früher oder später eine Abwertung einsetzen muss", sagte Martin Neff von der Credit Suisse.

"Die Ausgabe eines Kursziels von 1,20 Franken ist der ultimative Schritt der SNB" sagt Mario Mattera, Analyst beim Bankhaus Metzler. Der Devisenmarkt werde aber antesten, ob die SNB diese Grenze auch wirksam verteidigen kann. Durch den Schritt gebe die SNB der Wirtschaft langfristige Planungssicherheit.

"Man wird es sich zweimal überlegen, gegen dieses Ziel zu spekulieren, weil die SNB mit dem Rücken zur Wand steht" sagt Alessandro Bee von der Bank Sarasin. Und Rainer Sartorius von HSBC Trinkaus ergänzt: "1978 hatte die SNB zu ähnlichen Maßnahmen gegriffen. Das ist ein Signal, dass die Wirtschaftspolitik aktiver wird."

la/reuters
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