Dienstag, 20. August 2019

Rezessionsangst in den USA Bernanke soll es wieder richten

Federal-Reserve-Präsident Bernanke: Noch viele Möglichkeiten, der Wirtschaft zu helfen

Ein neues Anleihekaufprogramm wird es vorerst nicht geben - jedoch wird die Notenbank fällig werdende Anleihen ersetzen und den US-Leitzins zwei Jahre lang auf niedrigstem Niveau halten. Als Folge der lockeren Geldpolitik könnte die Inflation zunehmen - doch das ist derzeit die geringste Sorge.

Hamburg - Immerhin, eine Exit-Strategie hat die Federal Reserve. Die US-Notenbanker haben sich jüngst darauf geeinigt, wie sie aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik eines fernen Tages wieder aussteigen wollen - wenn die Bedingungen dafür reif sind, wie Fed-Präsident Ben Bernanke betont. Doch die Marktpanik erhöht den Druck auf die Fed-Oberen, den Plan für lange Zeit in der Schublade verschwinden zu lassen und stattdessen den Ausstieg aus dem Ausstieg zu verkünden.

Nicht, dass die Geldhüter für die Pflege von Aktienkursen zuständig wären. Doch Ökonomen wie Paul Krugman sehen im Börsencrash ein Zeichen, dass die Staatsschuldenkrise hinter den Problemen der Privatwirtschaft verblasst. "Das Marktgeschehen sieht gar nicht nach Sorgen um die Zahlungsfähigkeit der USA aus", schreibt der Wirtschaftsnobelpreisträger in seinem Blog und verweist auf die auch ohne AAA-Rating noch weiter gestiegene Nachfrage nach US-Staatsanleihen. "Es sieht genauso aus, wie man es erwartet, wenn der Markt plötzlich bemerkt, dass die Wachstumsaussichten der Wirtschaft furchtbar aussehen."

Tatsächlich hagelt es derzeit Horrordaten zur Konjunktur. Die Arbeitslosenquote verharrt über 9 Prozent, der private Konsum kommt nicht in Gang, der Immobilienmarkt fällt wieder zurück, die Auftragsbücher der Unternehmen leeren sich - und dann melden die Statistiker auch noch, dass schon das miese Bild der vergangenen Jahre geschönt war, weil die schuldengeplagten Amerikaner ihre Ausgaben noch stärker zurückgehalten haben als zunächst geschätzt.

Sparender Staat erhöht Risiko einer neuen Rezession

Der aktuelle Konjunkturzyklus habe den USA nicht nur den tiefsten Einbruch, sondern auch die schwächste Erholung der Nachkriegsgeschichte beschert, rechnet Goldman-Sachs-Volkswirt Jan Hatzius in einer aktuellen Studie vor. Das wahrscheinlichste Szenario sei, dass sich die Wirtschaft "durchwurschtelt" und eine schwache Wachstumsrate von gut 2 Prozent erreicht - zu wenig für den dringend benötigten Aufschwung am Arbeitsmarkt. Ende 2012 stünde die Arbeitslosenquote dann immer noch bei 9,5 Prozent. Und es könnte noch schlimmer kommen: Mit der Wahrscheinlichkeit von einem Drittel drohe ein Rückfall in die Rezession.

Auf den Fiskus als Konjunkturhelfer zählt niemand mehr. Angesichts des eingeschlagenen Sparkurses rechnet Goldman Sachs damit, dass der Rückgang der Staatsnachfrage im kommenden Jahr einen vollen Prozentpunkt des Bruttoinlandsprodukts kosten werde. Hatzius nimmt an, dass die befristete Aufstockung der Arbeitslosenhilfe ausläuft - ein herber Schlag für die private Nachfrage. Dagegen erwartet er, dass die ebenfalls befristete Senkung der Lohnsteuer noch einmal verlängert wird. Passiere das nicht, könnte das einer der Auslöser einer neuen Rezession sein.

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