Hilfe für Schuldenstaaten EZB verteidigt Kauf von Anleihen

EZB-Chef Jean-Claude Trichet hat den Aufkauf italienischer und spanischer Anleihen zur Stützung der Märkte verteidigt. Er betonte jedoch, dies sei eigentlich Aufgabe der Regierungen, die dies "so rasch wie möglich" tun müssten.
EZB-Chef Trichet: "Es hätte die schwerste Krise seit dem Ersten Weltkrieg werden können"

EZB-Chef Trichet: "Es hätte die schwerste Krise seit dem Ersten Weltkrieg werden können"

Foto: ? Kai Pfaffenbach / Reuters/ REUTERS

Paris - "Es ist die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg und es hätte die schwerste Krise seit dem Ersten Weltkrieg werden können, wenn die Führung diese wichtige Entscheidung nicht getroffen hätte", sagte Jean-Claude Trichet dem französischen Rundfunksender Europe 1. Er spielte damit auf den Zusammenbruch der New Yorker Börse 1929 an. Der "Schwarze Freitag" löste eine Weltwirtschaftskrise aus.

Trichet bestätigte zwar nicht direkt, dass die EZB Anleihen aus Spanien und Italien aufkauft, und sagte lediglich, die Bank sei auf dem Sekundärmarkt aktiv.

Die Entwicklung der Zinsen für italienische und spanische Staatsanleihen zeigte jedoch, dass die EZB Schuldverschreibungen beider Länder vom Markt nimmt: Der Zinssatz für spanische Papiere mit einer zehnjährigen Laufzeit sank am Dienstag auf unter 5 Prozent. In der vergangenen Woche hatte er noch bei 6,5 Prozent gelegen. Auch der Zinssatz auf italienische Anleihen fiel um mehr als einen Prozentpunkt auf 5,1 Prozent.

Am kommenden Montag will die EZB bekannt geben, wie viele Staatsanleihen sie aufgekauft hat. Wie lange die EZB noch Anleihen auf dem Sekundärmarkt aufkaufen will, sagte Trichet nicht.

Er betonte jedoch, dies sei eigentlich Aufgabe der Regierungen, die dies "so rasch wie möglich" tun müssten. Dafür müssen die nationalen Parlamente der Eurozone jedoch zunächst die auf dem Gipfel vom 21. Juli beschlossenen Änderungen des Rettungsschirms EFSF billigen.

Änderungen des Rettungsschirms EFSF noch nicht ratifiziert

Die EZB hatte am Sonntagabend signalisiert, dass sie nun auch Staatsanleihen der großen Euroländer Italien und Spanien kaufen will. Sie sorgt damit dafür, dass die Refinanzierung für Rom und Madrid wieder günstiger wird. Den direkten Ankauf von Schuldtiteln schloss Trichet aus. "Das sollten wir nicht tun und das können wir auch nicht tun."

Die seit vier Jahren andauernden Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind nach Einschätzung des EZB-Chefs ein historisches Ereignis. "In der Gesamtschau ist das die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg - besonders seit (der Insolvenz der US-Investmentbank) Lehman Brothers."

Durch die Vielzahl der Abwehrmaßnahmen ist nach Meinung des 68-Jährigen aber noch Schlimmeres verhindert worden. "Wenn nicht alle Verantwortlichen gemeinsam sehr wichtige Entscheidungen getroffen hätten, hätte das auch die schwerste Krise seit dem Ersten Weltkrieg werden können", sagte Trichet.

la/dpa-afx/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.