OECD-Frühindikator Rezession in Sichtweite

Negative Wirtschaftsdaten aus den USA, schwächelnde Nachfrage in Europa: Der Aufschwung ist in weiten Teilen der Welt gefährdet. Der OECD-Frühindikator zeigt, dass vor allem in den Industriestaaten der Höhepunkt offenbar erreicht wurde.
Folgen der Lehman-Pleite 2008: Droht die nächste Finanzkrise?

Folgen der Lehman-Pleite 2008: Droht die nächste Finanzkrise?

Foto: ddp

Paris/Berlin - Der Frühindikator für die rund 30 Mitgliedsländer sei im Juni den dritten Monat in Folge gesunken, erklärte die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD). Es gab einen Rückgang auf 102,2 von 102,5 Punkten im Mai.

Auch die Barometer für die USA, die Euro-Zone, die sieben führenden Industrienationen (G7), Japan und China seien zurückgefallen. Zuletzt hatte die Industrie in vielen Ländern der Welt an Fahrt verloren und eine schwächere Nachfrage signalisiert.

In Deutschland ist der Aufschwung nach Ansicht führender Ökonomen nach der Abstufung der US-Bonität ebenfalls in Gefahr. "Die Diskussion kann weiter auf die Stimmung der Unternehmen und Haushalte in den USA schlagen und dazu führen, dass sie Investitionen und einige größere Käufe vorerst zurückstellen", sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank der "Welt". "Damit würde die Konjunktur einen weiteren Dämpfer erhalten, sowohl in den USA als auch bei uns."

"Die Herabstufung ist ein Schlag für die USA"

Auch Joachim Scheide, Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW) fürchtet, dass die Auswirkungen der Abwertung hierzulande spürbar sein werden. "Es kann sein, dass sich durch die Herabstufung der Bonität die Nachfrage nach amerikanischen Staatsanleihen abschwächt", sagt Scheide der "Welt". Dadurch könnten die Zinsen in den USA steigen. "Höhere Zinsen würden die amerikanische Konjunktur abwürgen", sagt Scheide. "Das würde auf die Welt ausstrahlen und natürlich auch auf Deutschland."

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank gibt allerdings Entwarnung für die Märkte: "Es ist gut möglich, dass die Börsen die Woche mit Verlusten beginnen werden, aber die Herabstufung der USA wird die Märkte nicht nachhaltig belasten", sagte Krämer der "Welt". Viel entscheidender seien die Sorgen um die Konjunktur.

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit kommt für die US-Wirtschaft zur Unzeit. Gerade erst hatten Demokraten und Republikaner den Streit um die Anhebung der Schuldengrenze beigelegt. Zudem hat sich die amerikanische Wirtschaft, die lange Zeit als Motor der Weltwirtschaft galt, von der Finanzkrise immer noch nicht erholt und kämpft weiterhin mit großen Strukturproblemen: Das Wirtschaftswachstum war in den ersten sechs Monaten weit schwächer als erwartet, und die Arbeitslosigkeit ist im historischen Vergleich hoch. "Die Herabstufung ist ein Schlag für die USA, denn sie macht die Strukturprobleme ihrer Wirtschaft deutlich und die mangelnde Fähigkeit der US-Politik, darauf zu reagieren", sagte Kai Carstensen, Konjunkturchef des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo).

mg/dpa-afx/rtr
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