Italien/Spanien EZB als Brandbekämpfer

Die Europäische Zentralbank hat italienische und spanische Staatsanleihen gekauft. Der Eingriff des Instituts sorgt für deutliche Entspannung an den Märkten: Die Renditen auf zehnjährige Anleihen der beiden Krisenländer gehen deutlich zurück.
EZB-Chef Jean-Claude Trichet: Die EZB muss Feuerwehr spielen und Anleihen kaufen, da der europäische Rettungsfonds EFSF noch nicht soweit ist. Ziel der Anleihekäufe ist, die Risikoprämien für italienische und spanische Anleihen zu drücken

EZB-Chef Jean-Claude Trichet: Die EZB muss Feuerwehr spielen und Anleihen kaufen, da der europäische Rettungsfonds EFSF noch nicht soweit ist. Ziel der Anleihekäufe ist, die Risikoprämien für italienische und spanische Anleihen zu drücken

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Frankfurt am Main - Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen fiel um um 0,57 Prozentpunkte auf 5,517 Prozent. Entsprechende spanische Papiere fielen um 0,58 Punkte auf 5,457 Prozent.

Händler berichteten, dass die Zentralbank vor allem fünfjährige Papiere aufkaufe - die Renditen der entsprechenden italienischen Anleihen gaben um 65 Basispunkte auf 4,85 Prozent nach, die der spanischen fielen um 69 Basispunkte auf 4,734 Prozent. "Sie kaufen Pakete zu 20 bis 25 Millionen Euro breit am Markt", sagte ein Händler. "Wir gehen davon aus, dass sie im Lauf des Tages Milliarden ausgeben werden."

Die Europäische Zentralbank hatte am Sonntagabend angekündigt, Staatsanleihen von Regierungen der Euro-Zone zu kaufen, ohne dabei die Länder zu nennen. Der französische Finanzminister François Baroin erklärte am Montagmorgen im Radiosender Europe 1, dass die Sparpläne Italiens und Spaniens in der EZB zu der Einschätzung führten, dass es "legitim" sei, beiden Ländern zu helfen, . Der Kauf der Staatsanleihen könne erfolgen, wenn Anleger sich zurückzögen.

"Kraftvolle Antwort" der EZB

Die Kurse deutscher Staatsanleihen sind angesichts des extremen Rückgang italienischer und spanischer Renditen stark unter Druck geraten. Der für den Staatsanleihemarkt richtungsweisende Euro-Bund-Future fiel um 1,04 Prozent auf 131,30 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 2,504 Prozent. Deutsche Bundesanleihen hatten in den vergangenen Tagen von der Flucht aus den Anleihen beider Länder profitiert.

Die Reaktion der EZB von Sonntagabend auf die jüngsten Verwerfungen an den Märkten kann nach Meinung der Experten der Royal Bank of Scotland (RBS) als eine "kraftvolle" Antwort verstanden werden. Wie die Experten der RBS in einer Studie von Montag schreiben, dürften die Aufkäufe von italienischen und spanischen Staatsanleihen den drohenden Kollaps der Bondmärkte der angeschlagenen Länder verhindern.

la/mg/dpa-afx/afp/dapd