Dienstag, 17. September 2019

Kreditrating S&P stuft Bonität der USA herab

US-Dollarnoten: Nach der Abstufung der USA durch USAS&P auf "AA+" verfügen unter den sieben führenden Industrienationen nur noch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada über die Topbonität "AAA"

Die Ratingagentur Standard & Poor's straft die USA angesichts des riesigen US-Schuldenberges ab. Nur drei Tage nach der Einigung im Gezerre um die Schuldengrenze stufte S&P die US-Bonität von der Bestnote "AAA" auf "AA+" herunter. Zugleich warnte die Agentur, der langfristige Ausblick sei negativ.

Washington - Falls die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen sollten, "könnten wir das langfristige Rating innerhalb der nächsten zwei Jahre auf "AA" herabstufen". Die beiden anderen großen US-Ratingagenturen halten allerdings an der Bestnote fest.

China reagierte mit ungewöhnlich scharfer Kritik. "Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen", kommentierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag. Als größter Gläubiger Amerikas habe China jedes Recht zu verlangen, "dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen".

Außerdem stellte Peking erneut die bislang führende Rolle des Dollars infrage. Es müsse über Alternativen zum Dollar als Reservewährung nachgedacht werden. Die amtliche Agentur agiert häufig als Sprachrohr der Regierung.

Führende Rolle des US-Dollar in Frage gestellt

Als Konsequenz aus der Herabstufung fürchten Experten weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Bereits in den vergangen Tagen hatte es in den USA sowie in Europa erhebliche Kursverluste an den Aktienmärkten gegeben - zumal weiterhin die europäische Schuldenkrise gärt.

Weitere Konsequenz eines schlechteren Ratings können höhere Zinsen für die Aufnahme frischen Geldes sein: Die USA müssten dann neben der Tilgung ihrer riesigen Schulden zusätzlich eine wachsende Zinslast schultern.

Wie sich der Schritt auf die Finanzmärkte auswirken wird, zeigt sich am Montag. Dabei dürfte weniger die Abstufung selbst als der Zeitpunkt der Bekanntgabe für Aufregung sorgen. Daher sei es jetzt besonders spannend, wie die Märkte reagieren, sagte ein Händler.

"Der Schritt an sich sollte keine Überraschung für die Märkte sein. Aber er kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Nerven an den Märkten nach dem Kursverfall in der vergangenen Woche schon arg strapaziert sind", sagte Ajay Rajadhyaksha, Experte bei Barclays, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Nur noch vier der G7-Staaten mit Bestnote für Bonität

Seiner Einschätzung nach, kommt es jetzt vor allem darauf an, ob die Investoren ihr Vertrauen verlieren oder nicht. In der vergangenen Woche waren US-Anleihen nach der Einigung im US-Schuldenstreit gestiegen. "Das zeigt, dass US-Staatsanleihen von den Investoren erst einmal als sicherer Hafen eingeschätzt werden. Es kommt jetzt darauf an, ob das weiter so bleibt", sagte Rajadhyaksha. Alternativen - zumal mit einer so hohen Liquidität sind rar gesät.

Nach der Herabstufung der USA gibt es nur noch 17 Staaten, die von S&P die Bestnote "AAA" erhalten, darunter auch Steueroasen und Zwergenstaaten. Von den führenden Industrienationen (G7) gibt die Agentur jetzt nur noch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada die höchste Bewertung.

Die US-Zentralbank versuchte, die Finanzmärkte zu beruhigen. An der Sicherheit staatlicher Anleihen werde sich nichts ändern, teilte die Fed mit.

Nach dem Schritt von Standard & Poor's hatte die chinesische Ratingagentur ihrerseits die US-Bonität von "A+" auf "A" zurückgestuft. Weitere Schritte würden folgen, falls die USA ihre "riesigen Militärausgaben und aufgeblähten Sozialausgaben" nicht eindämmten, schrieb der Kommentator weiter.

Märkte extrem nervös - weitere Verluste drohen

Die Bundesregierung wollte sich am Wochenende nicht äußern. "Einfach mal die Klappe halten" sei das Motto der Stunde, hieß es in Regierungskreisen. Frankreichs Wirtschaftsminister François Baroin sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Frankreich hat ein uneingeschränktes Vertrauen in die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft." Der Minister lobte die US-Regierung für ihr "entschlossenes Vorgehen", um die Schulden in den Griff zu bekommen.

Neben dem gigantischen Staatsdefizit ist die US-Ökonomie von weiteren Schuldenproblemen geprägt: Die Verbraucher - sie tragen die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft zu 70 Prozent - konsumieren seit Jahren auf Pump. Und die Wirtschaft insgesamt verbraucht deutlich mehr als sie selbst produziert. Ergebnis: Ein riesiges Handels- und Leistungsbilanzdefizit - vor allem gegenüber China, das seinerseits auf massenhafte Exporte nach Amerika angewiesen ist, um die boomende Wirtschaft in Schwung zu halten.

US-Medien berichteten, die US-Regierung habe sich bis zuletzt vehement gegen die Herabstufung zur Wehr gesetzt. Dabei habe die Regierung der Agentur auch Rechenfehler vorgehalten, hieß es. Angeblich habe sich die Agentur in ihren langfristigen Schuldenprojektionen um zwei Billionen Dollar verkalkuliert.

S&P begründete ihren Schritt damit, dass die nach wochenlangen Ringen am Dienstag vom Kongress beschlossene Einsparungen nicht ausreichten, um eine langfristige Schuldenkonsolidierung zu erreichen. Auch die "Berechenbarkeit der amerikanischen Politikprozesses" (policymaking) müsse infrage gestellt werden, heißt mit Blick auf das langwierige Gezerre zwischen Regierungslager und Opposition.

Der nach wochenlangem Tauziehen zwischen Demokraten und Republikanern erreichte Schuldendeal sieht eine Erhöhung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (rund 10 Billionen Euro) vor. Dies solle mit Sparmaßnahmen in Höhe von 2,5 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) einhergehen. S&P hatte aber bereits zuvor gewarnt, es seien Einsparungen in Höhe von vier Billionen notwendig.

Dagegen hatten die beiden US-Ratingagenturen Moody's und Fitch die US-Kreditwürdigkeit nach dem Schuldendeal weiter mit der Bestnote "AAA" bewertet. Allerdings warnte Moody's, der weitere Ausblick sei negativ. Es bestehe das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin in den USA im nächsten Jahr nachlassen sollte. Auch Fitch will die Schuldenentwicklung in den USA weiter scharf im Auge behalten.

la-dpa-afx

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