Investitionsgipfel Deutsche Firmen trauen Athen nicht

Wirtschaftsminister Philipp Rösler will Griechenland beim Strukturwandel unter die Arme greifen. Die Spitzen der Wirtschaft aber zögern. Sie wollen erst echte Reformen in Athen sehen, bevor sie wieder Geld in dem fast bankrotten Euro-Land investieren.
Beraten Ja, investieren Nein: Deutsche Firmen haben Wirtschaftsminister Rössler beim "Investionsgipfel" für Griechenland ihren Standpunkt klar dargelegt

Beraten Ja, investieren Nein: Deutsche Firmen haben Wirtschaftsminister Rössler beim "Investionsgipfel" für Griechenland ihren Standpunkt klar dargelegt

Foto: ? John Kolesidis / Reuters/ REUTERS

Berlin - Die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft wollen bei der Modernisierung Griechenlands helfen, aber keine zusätzlichen Milliarden lockermachen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte am Mittwoch nach einem Treffen mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft, die Investitionsbedingungen in dem Euro-Krisenland müssten sich rasch verbessern. Dabei gehe es aber nicht um neue Risiken für die deutschen Steuerzahler. "Wir brauchen kein zusätzliches Geld."

Auch die mehr als 20 Wirtschaftsverbände machten bei dem von der Bundesregierung einberufenen "Investitionsgipfel" keine konkreten Zusagen. Sie wollen Athen vor allem mit Expertenrat auf dem Weg zu modernen Wirtschaftsstrukturen helfen.

In der vergangenen Woche war in Brüssel ein neues Hilfspaket von Eurostaaten und Internationalem Währungsfonds (IWF) für Griechenland im Umfang von 109 Milliarden Euro beschlossen worden. Zum ersten Mal sind auch Banken und Versicherungen mit im Boot. Zum Maßnahmenbündel für Athen gehören auch günstigere Zinsen und längere Laufzeiten für Kredite.

Investitionen scheiterten oft an undurchsichtiger Bürokratie

Rösler sagte, langfristig interessant für deutsche Firmen seien unter anderem Wind- und Solarparks, Telekomprojekte oder der Bau von Straßen in Griechenland. Bislang würden ausländische Investitionen aber oft durch undurchsichtige Bürokratie, monopolartige Strukturen in vielen Branchen und Probleme bei der Finanzierung verhindert.

So sieht es auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Genehmigungsverfahren seien zu umständlich, Verträge und Zusagen oft unsicher: "Das schreckt Investoren ab", sagte BDI-Manager Stefan Mair. Auch der Vize-Präsident des Maschinenbauerverbandes VDMA, Axel Barten, sagte Grundvoraussetzung für ein Engagement der Industrie seien bessere Rahmenbedingungen. Genehmigungsverfahren müssten vereinfacht und Bürokratiehürden abgebaut werden.

FDP-Chef Rösler verglich die Situation des Mittelmeerlandes mit dem Zustand der Ostblockstaaten vor gut 20 Jahren. Eine Prognose, wie lange Griechenland braucht, um international wieder wettbewerbsfähig zu sein, wollte er nicht wagen.

Die deutschen Maschinenbauer zum Beispiel sehen derzeit kaum Chancen, ihre Geschäfte in Griechenland - wie von der Bundesregierung gewünscht - auszubauen. Die Schuldenkrise lasse neue Abschlüsse kaum zu, so VDMA-Vize Barten im Reuters-Interview. "Die Finanzierung von Projekten in Griechenland ist derzeit ungeheuer schwierig." Investitionen, die ein Schlüssel für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit wären, seien auf Eis gelegt, da es in Griechenland schlichtweg an Geld fehle. "Da treten die Griechen derzeit auf der Stelle."

Verbände wollen Experten zur Verfügung stellen

Mit deutscher Unterstützung soll die Athener Verwaltung möglichst schnell modernisiert werden. Hier wollen Wirtschaftsministerium, Auswärtiges Amt und Entwicklungsministerium eng zusammenarbeiten. So könnten Entwicklungshelfer von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vor Ort die Griechen beraten. Auch der Exportverband BGA kündigte an, Experten zur Verfügung zu stellen.

Zusätzlich soll die Staatsbank KfW neue Förderprogramme auflegen, damit der deutsche Mittelstand noch stärker in dem fast bankrotten Mittelmeerland investiert. Das Handwerk und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) boten den Griechen Hilfe bei der Berufsausbildung an. Rösler will im Oktober mit einer großen Delegation nach Griechenland reisen, um die Initiativen anzukurbeln.

rei/dpa/reuters
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.