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Milliarden im Feuer: Was deutsche Banken in Griechenland investiert haben

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Bankenbeteiligung Ritt auf der Rasierklinge

Jetzt scheint klar, dass die Banken Milliarden abschreiben müssen. Das dürfte den Ratingagenturen nicht gefallen.

Hamburg - In gewisser Hinsicht sitzen die Banken mit den europäischen Staatslenkern derzeit in einem Boot. Beide Parteien müssen derzeit abwägen, ob lieber jetzt auf viel Geld verzichten oder ob sie sich der Gefahr aussetzen, am Ende mit ziemlich leeren Händen dazustehen.

Die Frage ist also, ob Geldhäuser und Euro-Staaten bereit sind, jetzt (weitere) Milliarden für die Rettung Griechenlands aufzuwenden, um die des Krisenlandes Pleite abzuwenden. Und vor allem, wer welchen Teil von dieser Last trägt.

Nach allem, was aus den Verhandlungen in Berlin und Brüssel bisher bekannt ist, werden die Banken eine bittere Pille schlucken, dafür aber zum Teil entschädigt, oder besser: vertröstet. Im großen Stil sollen sie ihre Griechen-Anleihen gegen neue Papiere tauschen, die 30 Jahre zu niedrigen Zinsen (im Gespräch sind 3,5 Prozent) laufen und von den Euroländern abgesichert sind.

"Freiwillig" müsse all dies jedoch sein, betonen Bankenkreise gebetsmühlenartig. Von niemandem könne erwartet werden, dass er Papiere zum Marktpreis von beispielsweise 60 Prozent seines Wertes abgibt, für die ihm ein paar Jahre später 100 Prozent versprochen sind.

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Doch was ist, wenn statt 100 Prozent Rückzahlung gar kein Geld mehr fließt? Da diese Aussicht bei längerem Nichtstun immer realistischer würde, sehen sich die Institute zum Mitmachen gezwungen. Lieber jetzt einen Teil der Werte abschreiben, als später nichts mehr in der Hand zu haben, ist das Kalkül.

"Die Entscheidung liegt bei der Politik, aber die Banken stehen für eine konstruktive Lösung bereits", heißt es beim Bundesverband deutscher Banken. Diese Konstruktivität zahlt sich scheinbar aus. Immerhin hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann als Chef des Weltbankenverbandes offenbar die lästige Bankenabgabe abgewehrt, die vor allem Frankreich zur Stabilisierung der europäischen Finanzen gefordert hatte.

Doch reicht der Banken-Beitrag, um die Sorgen um Griechenland zu mildern? Um gerade etwa 20 Prozent soll die Schuldenlast Griechenlands auf diese Weise verkleinert werden, heißt es nun. Viel zu wenig, um dem Land langfristig Luft zu verschaffen, sind sich Beobachter sicher. Von einem Placebo, der die deutschen Wähler besänftigen soll, war schon im Vorfeld des Gipfels die Rede.

Riskante Hoffnung auf den Zahlungsausfall für einen Tag

Zudem birgt das Verfahren Risiken. Die Ratingagenturen haben mehrfach klar gemacht, dass sie auch freiwillige Beiträge der Banken als Zahlungsausfall Griechenlands werten würden.

Nun ruhen die Hoffnungen darauf, dass es nur zu einem Zahlungsausfall "für einen Tag" kommt, weil die Zinsen der neuen Papiere wieder regelmäßig überwiesen werden sollen. Dies erwartet offenbar die Europäische Zentralbank (EZB), die zuvor zu den größten Kritikern eines solchen Modells gezählt hat.

Faktisch ist es ein Ritt auf einer Rasierklinge, bei dem die Euro-Protagonisten einen engen Draht zu den Ratingspezialisten pflegen müssen. Offenbar kommt Klaus Regling, Chef des Eurorettungsfonds EFSF, diese Tätigkeit zu.

Was ist in 30 Jahren?

Offen ist bisher die genaue Rolle des EFSF in der gegenwärtigen Situation. Relativ sicher ist, dass das 440 Milliarden Euro schwere Finanzkonstrukt die neuen, lang laufenden Griechen-Papiere absichern soll.

Unklar ist bisher, ob der Fonds selbst aktiv wird und entweder Staatsanleihen zu Billigpreisen kauft, oder dem griechischen Staat mit Krediten hilft, es selbst zu tun. Vor allem die EZB hatte eine derartige Rolle vom EFSF gefordert.

Aus Sicht der Banken bleibt das Ergebnis in etwa gleich - ein Schuldenschnitt Griechenlands ist mit dem heutigen Gipfel wohl beschlossene Sache. Ob sich das Entgegenkommen gelohnt hat, wird sich auch daran erweisen, ob die Ersatzpapiere in 30 Jahren tatsächlich noch das Geld wert sind, zu dem die Banken sie nun in ihre Bücher nehmen.

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