Aufbaukosten Japan muss trotz Exporterfolg Staatsbesitz verkaufen

Japan will bis zu 222 Milliarden Euro für den Wiederaufbau des Landes locker machen. Zusammen kommen soll das Geld trotz neuer Schulden und höherer Steuern auch durch den Verkauf von Staatsbesitz. Die Rückkehr Japans in den Kreis der Exportnationen reicht nicht als Geldquelle für den Aufbau.
Visitors look out the Tokyo Tower in Tokyo, Japan, Friday, March 25, 2011. (AP Photo/ Lee Jin-man)

Visitors look out the Tokyo Tower in Tokyo, Japan, Friday, March 25, 2011. (AP Photo/ Lee Jin-man)

Foto: Lee Jin-man/ AP

Tokio - Nach dem schweren Erdbeben in Japan plant die Tokioter Regierung offenbar Wiederaufbauarbeiten in Höhe von umgerechnet bis zu 222 Milliarden Euro (25 Billionen Yen). Für die laufenden Ausgaben seien 116 Milliarden Euro (13 Billionen Yen) notwendig, sagte ein Regierungsvertreter am Donnerstag.

Diese Mittel würden noch zusätzlich zu den 53 Milliarden Euro (sechs Billionen Yen) benötigt, für die seit der Katastrophe im März bereits zwei Nachtragshaushalte nötig wurden. Um das Geld aufzubringen, werde die Kürzung anderer Projekte, der Verkauf von Staatsbesitz und die Ausgabe spezieller Anleihen erwogen. Um die Tilgung der Bonds zu finanzieren, werde über Steuererhöhungen nachgedacht.

Die Ausgaben sind so hoch, dass sie auch durch die sich normalisierende Wirtschaftslage des Landes nicht aufgefangen werden kann. Zuletzt legte bereits die Industrieproduktion des Landes wieder zu, jetzt steigen auch Japans Exporte wieder. Eine sich normalisierende Margenentwicklung vorausgesetzt dürften damit zumindest in der Tendenz auch die Steuereinnahmen aus Unternehmensgewinnen steigen.

Der Handelsüberschuss, also die Differenz aus Aus- und Einfuhren, machte im Juni allerdings nur umgerechnet 630 Millionen Euro aus, wie das Finanzministerium in Tokio am Donnerstag mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeutet dies allerdings einen Rückgang um 89,5 Prozent. Im April und Mai hatte Japan wegen der Naturkatastrophe aber erstmals seit mehr als 30 Jahren Handelsdefizite verbuchen müssen.

Durch die Katastrophe im Nordosten des Inselreiches waren die Lieferketten unterbrochen, wodurch die Produktionsprozesse und der Export erheblich verlangsamt wurden. Große Autounternehmen wie beispielsweise Toyota (Kurswerte anzeigen) mussten ihre Produktion zeitweise drosseln. Auch internationale Kunden japanischer Zulieferunternehmen waren betroffen.

kst/afp/rtr
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