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Umschuldung, Schuldenschnitt, Euro-Bonds: Wie Griechenland gerettet werden soll

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Sondergipfel zu Griechenland Erste Risse in der EZB-Front

Neues Appeasement in der Euro-Krise: Ewald Nowotny hat als erstes EZB-Ratsmitglied signalisiert, dass die Notenbanker Griechenland-Anleihen auch bei einem  Zahlungsausfall nicht ächten müssen. Damit stellt er sich öffentlich gegen EZB-Chef Trichet und den deutschen Euro-Vater Otmar Issing. 

Brüssel/Berlin/Athen - EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hat einen Kompromiss bei einem möglichen teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands angedeutet. Die Europäische Zentralbank könnte möglicherweise doch griechische Staatsanleihen im Fall eines kurzfristigen Zahlungsausfalls als Sicherheit akzeptieren, sagte der österreichische Notenbankchef am Dienstag im US-Fernsehsender CNBC. Nowotnys Äußerungen stehen früheren Aussagen führender EZB-Vertreter entgegen.

Es gebe eine breite Palette an möglichen Optionen oder Definitionen, die von einem klaren Schuldenschnitt bis zu einem zeitweisen Zahlungsausfall reichen, sagte Nowotny. Eine mögliche Lösung der Griechenlandkrise mit einem "sehr kurzen Kreditausfall" könnte möglicherweise "keine größeren negativen Auswirkungenen haben".

EZB-Chef Jean-Claude Trichet sieht das jedoch anders. Der Chef der Europäischen Zentralbank hat, anders als sein Ratsmitglied Nowotny, erneut eindringlich vor einem Zahlungsausfall Griechenlands gewarnt. "Wir fordern die Euro-Länder auf, so schnell wie möglich eine entsprechende Lösung zu finden", sagte Trichet am Dienstag. "Ein Kreditereignis, ein Zahlungsausfall, teilweise oder nicht, muss vermieden werden."

Trichet hatte bereits mehrfach deutlich gemacht, dass die Notenbank im Fall eines Kreditausfalls keine Anleihen aus Griechenland als Sicherheit akzeptieren werde. Dies würde nach Einschätzung von Experten zu einem Zusammenbruch der Banken in Griechenland führen.

Issing: Umschuldung Griechenlands wäre ein "GAU"

Auch der frühere deutsche Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, hat eine Umschuldung Griechenlands als Mitglied der Euro-Zone als "GAU" bezeichnet. "Bleibt Griechenland danach Mitglied in der Währungsunion und kann auf weitere Hilfen sowie Refinanzierung bei der EZB vertrauen, ist das Ende der Währungsunion eingeläutet", sagte Issing der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

In Griechenland würden so gut wie alle Reformbemühungen eingestellt, so Issing. Das Land erhalte faktisch "einen Freibrief, mit der verhängnisvollen Politik der Vergangenheit fortzufahren." Daraus folge, dass nach einigen Jahren ein weiterer Schuldenschnitt notwendig würde.

Als einer der Architekten des gemeinsamen Währungsraums kritisierte Issing zudem scharf die Idee, die Schuldenkrise durch die Ausgabe von sogenannten Eurobonds, also gemeinsamen europäischen Anleihen, zu bekämpfen. "Politiker, die mit solchen Maßnahmen die Währungsunion retten wollen, werden sich als Totengräber eines stabilen Euro erweisen." Deutschland werde finanzpolitisch an den Folgen dieser Politik ersticken.

kst/dpa-afx/rtr/dapd