Chinas Statistik 45 Millionen Tonnen Stahl vergessen

China hat seine Stahlproduktion nach Berechnung von Marktforschern im vergangenen Jahr deutlich zu niedrig ausgewiesen. Eine der deutschen Jahresproduktion vergleichbare Menge soll dabei unter den Tisch gefallen sein - wohl aus politischem Kalkül.
Weg damit: Viele chinesische Stahlhütten gelten als veraltet und sollen geschlossen werden - das geht aber nicht so schnell wie geplant, daher ist die Stahlproduktion noch über Plansoll

Weg damit: Viele chinesische Stahlhütten gelten als veraltet und sollen geschlossen werden - das geht aber nicht so schnell wie geplant, daher ist die Stahlproduktion noch über Plansoll

Foto: Stringer Shanghai/ REUTERS

London - Das Land habe 45 Millionen Tonnen - etwa die Jahresproduktion Deutschlands - unterschlagen, erklärten die Experten des renommierten britischen Forschungsinstituts MEPS in der "Financial Times" am Montag. Offiziell meldete China für 2010 eine Produktion von 627 Millionen Tonnen Stahl, laut MEPS sollen es aber 672 Millionen gewesen sein und damit rund die Hälfte der gesamten Weltproduktion. Der höhere Stahlausstoß habe zu zusätzlicher Nachfrage nach Eisenerz, dem wichtigsten Rohstoff für Stahl, geführt und dessen Preis hochgehalten.

Nach Einschätzung von zwei in der Zeitung zitierten Analysten sind die Berechnungen von MEPS plausibel. China passe die Statistiken routinemäßig an die Politikziele an. Derzeit bemüht sich die Regierung offiziell darum, die Stahlproduktion vor allem in alten unrentablen Werken mit hohem Schadstoffausstoß zu drosseln. Die Umsetzung dauert aber offenbar länger. Werkschließungen sind für die Regierung aus Angst vor Protesten ein sensibles Thema.

Auch ein hochrangiger Manager eines großen internationalen Bergbaukonzern, der namentlich nicht genannt werden wollte, pflichtete in der Zeitung der Analyse der Experten bei. "Wir stimmen zu, dass die Stahlproduktion im vergangenen Jahr höher war als offiziell bekannt gegeben." Der Weltstahlverband, der die Daten veröffentlicht und dabei auf die Meldung aus den einzelnen Ländern angewiesen ist, räumte in der Zeitung ein, dass eine "kleine Untertreibung" möglich sei, aber nicht in dem von MEPS angenommenen Ausmaß.

ak/dpa-afx

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