Dienstag, 21. Mai 2019

Währungskrise Kernschmelze des Geldes

Schuldenkrisen in Europa und den USA: Das "finanzielle Armageddon" droht
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Schuldenkrisen in Europa und den USA: Das "finanzielle Armageddon" droht

Der globale Schuldenstrudel nimmt immer bedrohlichere Dimensionen an. Inzwischen geraten auch zentrale Volkswirtschaften wie Italien und die USA in den Sog der Krise. Doch in Europa wie in den USA scheint die Politik wie gelähmt. Wohin führt das alles? Ein Szenario für die nächsten Stufen der Krise.

Es sieht so aus, als habe das Endspiel begonnen. Nicht nur um den Euro, sondern um das internationale Finanzsystem insgesamt. Das mag auf den ersten Blick übertrieben erscheinen. Aber die Fakten lassen Schlimmes erwarten:

  • Die USA flirten mit einer Staatspleite. Selbst wenn es doch noch zu einer Einigung kommen sollte, wird Amerikas Bonität durch das Gewürge der vergangenen Wochen dauerhaft beschädigt bleiben.
  • In Europa greift die Vertrauenskrise von der Peripherie auf den Kern der Währungsunion über. Italien stellt einen Wendepunkt dar: Ein Land dieser Größe lässt sich nicht mehr mit den bisherigen Rettungsschirmen stabilisieren.
  • Die demokratischen Systeme in vielen westlichen Ländern sind gelähmt. Finanziell wie politisch scheinen die Handlungsspielräume erschöpft.
  • Als einzige staatliche Institutionen sind noch die Notenbanken handlungsfähig. Aber auch ihr Spielraum wird allmählich eng.

Wohin führt das alles?

Die Gefahr besteht, dass es zu einem globalen Meltdown kommt - dass die Neubewertung der US-amerikanischen und europäischen Staatsanleihen (wir reden über Außenstände von zusammen 20 Billionen Euro!) rund um den Globus Banken, Versicherungen, Schatten- und Notenbanken in Schieflage bringt. Am Ende einer solchen Kernschmelze wären nicht nur Staatsanleihen viel weniger Wert, sondern auch viele andere Vermögenswerte.

Sicher, soweit sind wir noch nicht. Es ist immer noch möglich, dass sich das Szenario eines finanziellen "Armageddon" (US-Präsident Barack Obama) durch weitsichtiges Politmanagement vermeiden lässt (siehe " Euro-Land darf nicht sterben"). Aber wer den Gang der Ereignisse verfolgt, wird nicht umhin können, einen Meltdown als folgerichtigen Endpunkt der bisherigen Entwicklung zu sehen.

Beginnen wir mit den USA. Okay, es ist immer noch möglich, dass Präsident Barack Obama und die republikanische Mehrheit im Kongress bis Ende Juli doch noch einen Deal zustande bringen, damit Washington die Zahlungsunfähigkeit vermeiden kann. Aber auch ein solcher Kompromiss wird die Märkte nur kurzfristig beruhigen: Zum einen sitzt der Schock tief, dass die Eskalation überhaupt so weit gehen konnte. Zum anderen wird es kein dauerhaft tragfähiges Übereinkommen zwischen den geradezu verfeindeten politischen Lagern geben.

Auch nach einer Einigung wird die Unsicherheit über den künftigen Kurs der USA bleiben. Amerika, so sieht es aus, wird auf absehbare Zeit am Rande seiner fiskalischen Möglichkeiten taumeln - und zwar nicht primär, weil die Verschuldung so hoch ist, sondern weil die Steuereinnahmen Washingtons im internationalen Vergleich grotesk niedrig sind und das Steuersystem geradezu archaisch anmutet (zum Beispiel gibt es keine ertragreiche Mehrwertsteuer, wie sonst eigentlich überall in der entwickelten Welt).

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